Depressionsbarometer 2021: Unternehmen als Ort der Volkskrankheit Depression

Etwa zwanzig Prozent der deutschen Arbeitnehmer*innen leiden oder litten bereits an einer Depression. Die mittlerweile fünfte Ausgabe des Deutschland-Barometers Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe untersucht in einer repräsentativen Befragung Einstellungen und Erfahrungen zur Depression in der Bevölkerung. Darin zeigt sich insbesondere die Rolle von Unternehmen: so werden Belastungen am Arbeitsplatz oder Konflikte im Job als wichtigste Ursache für die Erkrankung angesehen, während die erblichen und biologischen Komponenten wenig bekannt sind.

Im Gegenteil kann der Arbeitsplatz eine wichtige Stütze sein: so spricht zwar die Mehrheit der erkrankten Beschäftigten im Job nicht darüber, diejenigen, die es tun, machen aber zum Großteil positive Erfahrungen. Werden mögliche Anlaufstellen innerhalb der Organisation – beispielsweise Betriebsärzt*innen, Betriebsrat oder Sozialberatung) in Anspruch genommen, sind 74 Prozent damit sehr zufrieden. Im Gegensatz dazu fühlt sich allerdings auch etwa ein Viertel der betroffenen Beschäftigten auf ihre Erkrankung reduziert.

Angesichts der Häufigkeit und Verbreitung der Krankheit bei gleichzeitig vergleichsweise wenig Wissen in der Bevölkerung empfiehlt Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Unternehmen dringend den Aufbau von Basiswissen und Handlungskompetenz zu Depression und auch Suizidprävention: „Depression ist eine häufige und schwere Krankheit. Statistisch gesehen gibt es in nahezu jedem Unternehmen depressiv erkrankte Mitarbeiter. Arbeitgeber können viel dazu beitragen, dass betroffene Beschäftigte rascher in eine professionelle Behandlung kommen. Dadurch können neben großen Leid auch Kosten vermieden werden.“ Zudem weist Hegerl auf die wichtigen Fähigkeiten der Betroffenen hin, die im gesunden Zustand oft Leistungsträger der Unternehmen seien: „Sie reagieren mit großer Dankbarkeit, wenn sie von Seiten des Unternehmens auf verständnisvolle und sachgerechte Reaktionen stoßen.“

Angesichts dessen, dass bereits 15 Prozent der Mitarbeiter*innen einen Suizid- oder Suizidversuch im Kolleg*innenkreis erlebt haben, sind Schulungen von Personalverantwortlichen und Führungskräften ein wichtiger Schritt zu einer offenen Unternehmenskultur, in der Betroffene sich sicher fühlen können. Auch neue Ansätze wie Peer-Beratungen, bei denen Beschäftigte mit Depressionserfahrung niederschwellige Beratung für ihre Kolleg*innen anbieten, fördern ein offenes Verhältnis und damit die Gewissheit, Ansprechpartner*innen auch für solche schwierigen Themen zu haben.

Hier geht’s zur Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe »

Hier finden Sie mehr Informationen und Hilfsangebote zum Thema Depression »

How’s Work? – Beschäftigtenstudie der Techniker Krankenkasse

Präsentismus, Schlafverhalten und gesunde Ernährung: die Beschäftigtenstudie „How’s Work“ der Techniker Krankenkasse untersucht wichtige Faktoren, die Arbeitnehmer*innen beschäftigen. Eine wichtige Erkenntnis der Untersuchung ist die hohe Belastung; so haben 40 Prozent der Befragten zu wenig Zeit für die Erledigung ihrer Aufgaben und müssen oft oder immer sehr schnell arbeiten. Alarmierend ist auch, dass über die Hälfte der Beschäftigten manchmal, häufig oder sogar sehr häufig krank arbeitet, auch gegen deutlichen ärztlichen Rat. Über ein Drittel arbeitet sogar mit schweren Krankheitssymptomen. Dabei darf auch im Home Office nicht vergessen werden: krank ist krank!

Gerade für sitzende Tätigkeiten ist regelmäßige Bewegung eine wichtige Abwechslung. Allerdings sind es gerade diejenigen, die sich auch privat oder eigenverantwortlich viel bewegen, die sich zusätzliche Angebote am Arbeitsplatz wünschen. Immerhin: Über ein Fünftel der Beschäftigten bewegt sich ausreichend und fast 65 Prozent erzielen zusätzliche Gesundheitseffekte durch die Integration körperlicher Bewegung in ihren Alltag.

Gesundheitseffekte lassen sich auch durch eine ausgewogene Ernährung erzielen. Diese wird, gemessen an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), aber lediglich von 2,3 Prozent der Beschäftigten erreicht. Insgesamt essen Frauen tendenziell mehr Obst und Gemüse als Männer, Beschäftigte aus den neuen Bundesländern mehr als solche aus dem Westen. Eine wichtige Rolle spielen offensichtlich Kantinen: so sehen zwar fast 65 Prozent der Beschäftigten hier Handlungsbedarf für die eigene Organisation, insgesamt wird aber in Großunternehmen und öffentlichen Einrichtungen, die häufiger Betriebsverpflegung anbieten, gesünder gegessen. Eine wichtige Rolle spielt zudem das Trinkverhalten: während jüngere Menschen (bis 29 Jahre) die empfohlene Flüssigkeitsmenge von mindestens eineinhalb Litern pro Tag zu fast 70 Prozent erreichen, sinkt die Trinkmenge mit steigendem Alter stetig. Fast 40 Prozent der Befragten trinkt demnach zu wenig – ein Problem für Körper und Geist: „Schon ein geringer Flüssigkeitsverlust schränkt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit ein und verringert die Konzentration und Reaktionsfähigkeit“, so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

Die Studie, die im Auftrag der TK durch das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung durchgeführt wurde, liefert weiterhin Ergebnisse zum Schlafverhalten von Arbeitnehmer*innen (schlechterer Schlaf mit zunehmendem Alter, aber „Power Naps“ am Nachmittag vor allem durch jüngere Beschäftigte), zur Unterstützung von Kolleg*innen (je besser das Verhältnis innerhalb der Belegschaft desto größer die Zufriedenheit mit der Arbeit insgesamt) und den Einfluss der Führungsqualität auf die Arbeitszufriedenheit.

Gerade jetzt, wo die Arbeitswelt sich anhand der neuen Herausforderungen rasant weiterentwickelt, sind Unternehmen gefragt, ihre Beschäftigten gesund zu halten und langfristig zu motivieren. Arbeit trotz teils schwerer Erkrankung, auch ansteckungsfrei im Home Office, ist genauso kontraproduktiv für die individuelle Gesundheit wie für die Leistungsfähigkeit, das Ruhebedürfnis von Arbeitnehmer*innen aufgrund von Überarbeitung der auch allgemeiner Belastung ernst zu nehmen und Gesundheitsförderung sinnvoll in den Arbeitsalltag zu integrieren. Die Studie der Techniker Krankenkasse liefert für diese Perspektiven die wichtigsten Grundlagen.

Hier geht’s zur Studie »

Gesundheit in der Verkehrs- und Logistikbranche: DB Cargo und EUPD Research präsentieren Trendstudie „Corporate Health Management in Deutschland“

Unternehmen aller Branchen sehen in der Fürsorge für die Gesundheit der eigenen Arbeitnehmer*innen eine zunehmend bedeutungsvollere Aufgabe. Aufgrund der gesellschaftlichen und personalpolitischen Verantwortung der Arbeitgeber sowie des langfristigen Erhalts der Wettbewerbsfähigkeit steht die Förderung der Gesundheit und Zufriedenheit der Beschäftigten auf der Grundlage eines Corporate Health Managements immer stärker im Fokus.

Gemeinsam mit der DB Cargo AG, dem Gewinner des Corporate Health Award 2019, hat EUPD Research nun zum zweiten Mal in Folge die Trendstudie „Corporate Health Management in Deutschland“ mit Fokus auf die Situation in der Verkehr- und Logistikbranche herausgegeben. Ziel der Veröffentlichung ist die Sensibilisierung und Motivation weiterer Arbeitgeber der Branche, sich der Bedeutung des Themas für die eigene Unternehmensausrichtung bewusst zu werden.  

„Bei DB Cargo beschäftigen wir und bereits seit sechs Jahren mit der stetigen Verbesserung und Weiterentwicklung unserer betrieblichen Gesundheitskonzepte. Auf Grundlage unsere langjährigen Lernprozesse hin zum heutigen Erfolgskonzept wollen wir dem Markt eine praxisnahe Hilfestellung zur Verfügung stellen und durch die Studienerkenntnisse die Einführung, Etablierung und Professionalisierung eines Gesundheitsmanagements bei weiteren Arbeitgebern unterstützen. Die eigenständige Entwicklung von Kennzahlen und Orientierungsgrößen ist aufwändig zu etablieren – mithilfe der Trendstudie wollen wir allen vorbildlichen Arbeitgebern eine Zeit- und Kostenersparnis ermöglichen“, so Frau Dr. Biernert, Arbeitsdirektorin und Vorstand Personal.

Die Ergebnisse der Trendstudie basieren auf den Befragungsdaten von mehr als 2.000 Bewerbern des „Corporate Health Awards“ aus den vergangenen acht Jahren. Die Teilnehmer zählen zu den erfolgreichsten Unternehmen in Deutschlands und leisten wertvolle Pionierarbeit in der Umsetzung des Corporate Health Managements.

Neben vielzähligen Erkenntnissen zu aktuellen Entwicklungen in 26 Themenfeldern des betrieblichen Gesundheitsmanagements lässt sich in diesem Jahr exemplarisch ein hoher Relevanzzuwachs in der Qualitätssicherung der Arbeitssicherheit beobachten, wenngleich die Umsetzungsgrade in diesem Bereich noch weit unter dem Durchschnitt anderer Branchen liegt.

„Ziel dieser Studie ist die Analyse, Darstellung und Veröffentlichung von Einschätzungen und Bewertungen führender Branchenvertreter, um die Priorisierung und Umsetzung kommender Projekte und Strategien im BGM in Unternehmen zu unterstützen. Genau aus diesem Grund freuen wir uns, mit DB Cargo einen Partner an unserer Seite der Studie zu haben, der bereits viele Jahre nachweislich vorbildliches und effektives Engagement für die eigenen Mitarbeitenden etabliert hat und somit eine wertvolle Stimme für die gesamte Branche darstellt“, ergänzt Steffen Klink, Management bei EUPD Research und Director Corporate Health Department.

Sie interessieren sich für die Trendstudie? Gern schicken wir sie Ihnen zu.

Genuss, Gesundheit und Unternehmenskultur

GESOCA ist seit 2014 Dienstleister für gesundheitsorientierte Cateringsteuerung und setzt dabei auf wissenschaftliche Aktualität und Praxisnähe. Im Top Brand-Interview spricht Gründer und Geschäftsführer Christian Feist über die gesundheitlichen Folgen von Lockdown und Home Office und die richtige Motivation für Köch*innen und Kantinengäste.

An Sie als Mensch und nicht als Leiter eines ausgezeichneten Gesundheits-dienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Die letzten 12 Monate waren nach wie vor davon geprägt, mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie umzugehen. Alles von zu Hause aus zu machen war eine intensive Erfahrung. Einerseits haben wir das mehr an Familienzeit sehr genossen andererseits war es ja auch keine Ferien! 

Als Unternehmer haben wir in dieser Zeit unter großer Unsicherheit gearbeitet und viel Energie aufgewendet, in dieser sehr herausgeforderten Branche unseren Kunden stets die bestmögliche Dienstleistung zu bieten.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“ Wie war Ihr Umgang mit der Pandemie? Hat sich Ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Anstatt auf Kurzarbeit setzten wir auf Entwicklung und Weiterbildung. So haben wir unsere Dienstleistung in vielen Bereichen neu strukturiert, weiter entwickelt und digitalisiert. Das wird ab nächstem Jahr auch für unsere Kunden spürbar. Sie werden auf eine schnittstellenfähige Web-Anwendung zugreifen können und über interessante Funktionen sehr viel schneller Einblick in die mehrdimensionalen Steuerungs-Möglichkeiten für die Betriebsgastronomie haben. Im Mittelpunkt stehen dabei die Gesundheitskennziffer, die Gästezufriedenheit und die gastronomische Qualität. Auch das wichtige Thema Nachhaltigkeit wird bei uns abgebildet. Zudem haben wir neue Produkte entwickelt, wie z.B. ein umfangreiches Marketing-Paket, das in den Betriebskantinen unserer Kunden dabei hilft, die Kantinen-Leistung und alle Neuerungen im Unternehmen transparent zu machen.

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Wir motivieren “von unten” zu einer zukunftsorientierten Mitarbeiterverpflegung. Die Küche gestaltet immer selbst ihr Angebot und das Team bringt sich mit Kreativität und Handwerklichkeit ein. Sie möchten NICHT erklärt bekommen, wie sie zu kochen haben.
Deswegen setzen wir davor an und verändern die Verhältnisse für die Gastronomen und Caterer so, dass sie sich gerne für mehr Qualität und Gesundheitsorientierung einsetzen, d.h. dass sie gut, gesund und lecker kochen und etwas davon haben.
Mit unserem System kann das Unternehmen das Engagement des Gastronomen nachvollziehen und sogar steuern. So können bestimmte Qualitäts-Schwerpunkte Gesundheitsanforderungen bestimmt werden und leistungsorientierte Anreize geschaffen. Dies lässt einerseits dem Gastronomen die nötige Freiheit und sichert andererseits die Wünsche des Unternehmens an die Mitarbeiterverpflegung.
Kurz: Unsere Stärke ist, dass wir helfen, die gewünschte Veränderung „von unten” aufzubauen anstatt klassisch zu beraten.

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Wir kooperieren mit einem IT-Unternehmen, dass Kassensysteme und Apps für die
Betriebsgastronomie entwickelt. Dadurch wollen wir helfen, dass auch die Gäste der Kantinen digitaler erreicht werden können. Ausserdem unterstützen wir unsere Kunden, dass die gastronomischen Leistungen mit den BGM-Maßnahmen kooperieren. So können sie BGM und Betriebsgastronomie gegenseitig unterstützen. In den Unternehmen wird immer klarer dass die Betriebsgastronomie mehr kann als Kosten zu verursachen und das BGM hat hier eine sehr wirkungsvolle Kontaktmöglichkeit zu den
Mitarbeitern.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

„Mit GEOCA haben wir Türen geöffnet, die bisher nie aufgegangen sind.“
Dieses Feedback kam von einem Kunden, der schon vor der Arbeit mit uns eine gute Betriebsgastronomie hatte. Für mich, als leidenschaftlicher Koch und Gastronom, ist der schönste Moment, wenn die Köche erkennen, dass sie die Arbeit mit uns weiterbringt und sie durch die Sichtbarkeit heute deutlich motivierter sind als davor. Manchmal dauert das. Hat aber bisher immer geklappt.

Was verändert sich durch Corona in der Betriebsgastronomie?

Wir sind noch mittendrin. Jetzt geht es erst einmal darum, wieder in ein “normales” Fahrwasser zu kommen. Mittelfristig haben wir es aber mit substanziellen Veränderungen zu tun, die sich jetzt langsam abzeichnen. Bisher hat sich die Betriebsgastronomie als Gastronom verstanden. Das war von 20 Jahren eine gute Entwicklung. Damals wurde die Kantine zum Betriebsrestaurant. In den letzten 2 Jahren wurde durch Corona überdeutlich, dass gesunde und ausgewogene Ernährung ein wichtiger Teil für allgemeine Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und Leistungsfähigkeit ist. Das zentrale Thema ist dabei das gesunde Körpergewicht und damit verbunden die Prävention ernährungsbedingter Erkrankungen.

Verstärkt wurde das durch Homeoffice, wo viele Menschen leider nicht ihr Gewicht halten konnten (40% der Deutschen haben im Homeoffice zugenommen!). Damit kommt der Gemeinschaftsverpflegung heute eine wichtige neue Bedeutung zu, die sich auf das Geschehen in den Restaurants auswirken wird. Es geht um eine ausgewogene, gesunde und gute Ernährung, die in den Betriebsrestaurants propagiert und übergreifend zu Verfügung gestellt werden muss. Da geht es um die Angebote, aber auch um einen Know How-Transfer, um sowohl im Homeoffice als auch an den
Präsenztagen gut versorgt zu sein.

Es reicht also nicht mehr, „nur“ auf Genuss zu setzen. Es braucht mehr! In Zukunft muss sich die Betriebsgastronomie als Verhältnisschaffer für gesundherhaltenden Genuss verstehen. Verstärkt würde das, im dem sich Gastronomie und BGM tatsächlich vernetzt arbeiten würden.

Beispiele sind:

  • Ernährungsberatung und Kantine „sprechen eine Sprache“
  • Das Fitnessstudio empfiehlt das Kantinenessen!
  • Individuelle Ernährungsprotokolle sind dank Verknüpfung mit der Kantine einfach
  • Gesund Essen im Homeoffice wird durch die Kantine unterstützt
  • Köche und Köchinnen zeigen, wie „gesund Kochen“ geht
  • BGM-App und Kantinen-App gehören zusammen
  • Gemeinsame Aktionen von BGM und Kantine

Viele der Veränderungen in der Arbeitswelt, die für die Bewältigung der Coronakrise notwendig waren, werden bleiben. Eine Kantine, die Genuss, Gesundheit und Unternehmenskultur verbindet, stärkt alle Beteiligten im Unternehmen. Allen voran die Gäste, denen es dank der Kantine leichter fallen wird, wieder mehr auf ihre Gesundheit zu achten und „in Form“ zu bleiben.

Demographie-Index: Kein Alter für die Rente

Immer wieder wird als Antwort auf Fachkräftemangel und demographischen Wandel über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters diskutiert. Eine Umfrage des Demographischen Netzwerks e.V. (ddn) zeigt nun, wie unrealistisch diese Forderung tatsächlich ist. So wünscht sich eine Mehrheit der Erwerbstätigen ein Ausscheiden aus dem Arbeitsleben bereits vor dem 63. Lebensjahr. Nur jede*r Achte möchte bis zum gesetzlichen Rentenalter mit 67 Jahren erwerbstätig bleiben, und lediglich ein Viertel hält sich überhaupt für körperlich und geistig in der Lage dazu.

Interessant sind die Unterschiede nach Ausbildung und beruflicher Stellung: Während 90% der befragten Arbeiter*innen sich nicht in der Lage fühlt, bis 65 oder länger zu arbeiten, sind es bei Angestellten und Beamten nur etwa 70%. Ein Viertel der Akademiker*innen schätzt hingegen die eigene Fitness stark genug ein, sogar länger als bis 69 Jahre arbeiten zu können. Zudem zeigt sich ein Unterschied anhand des Lebensalters, der gewünschte Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Erwerbsleben nimmt mit steigendem Alter zu: 60% der befragten 18- bis 29-Jährigen wollen bereits mit 61 Jahren oder früher in Rente gehen.

Als Haupthindernisse für ein längeres Erwerbsleben identifiziert die vom Marktforschungsinstitut Civey durchgeführte Studie Stress (40%), geringe zeitliche Flexibilität (34%) sowie geringes Gehalt (33%). Auch mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte wurde von knapp einem Viertel der Befragten genannt. Bei Arbeiter*innen sind körperliche Belastung und Arbeitsstress die wichtigsten Punkte.

Insgesamt geht die Mehrheit der Befragten davon aus, dass auch bei einem regulären Renteneintritt das Geld im Alter nicht ausreichen wird. Auch hier zeigt sich ein Unterschied zwischen Arbeiter*innen (75%), leitenden Angestellten (42%) und Beamt*innen (30%), eine große Schere öffnet sich allerdings dank Gender Pay Gap auch zwischen Frauen und Männern: zwischen ihnen liegen ganze 20 Prozent (62 bzw. 42%).

Das Demographische Netzwerk e.V. sieht in den Ergebnissen der Studie einen ganz klaren Auftrag an Wirtschaft und Politik, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und für flexiblere, bspw. nach Arbeitstätigkeit differenzierte Regelungen des Rentenalters zu sorgen. Chancen biete zudem ein nachhaltiges Demographiemanagement, mit dem Potenziale jeden Lebensalters sinnvoll genutzt und individuell gestaltet werden können.

Die gesamte Pressemitteilung finden Sie hier»

Prävention vor Kuration – Herausforderungen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement

Die weltweite Corona-Krise zeigt, wie wenig wir auf eine massenhafte Verbreitung potenziell tödlicher Viren vorbereitet sind. Auch wenn es gelingt, die aktuelle Pandemie zu kontrollieren, bleibt die Frage: Tun wir genug zur Prävention d.h. Früherkennung und Verhütung der nächsten? Ist Kuration alternativlos? Ist es nicht humaner und effizienter, Gesundheitsgefahren schneller zu erkennen und zu erkämpfen?

In der Corona-Pandemie stehen Leben und Gesundheit großer Teile der Gesellschaft auf dem Spiel. Nicht übersehen sollten wir jedoch, dass wir bereits von einer Epidemie ganz anderer Art betroffen sind: dem langjährig beobachtbaren Anstieg psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeit und den damit verbundenen enormen Folgekosten für Unternehmen, Versorgungseinrichtungen und die Sozialversicherung.

Prävention gesundheitlicher Gefährdungen schützt die Beschäftigten und stützt die Unternehmen. Voraussetzung dafür ist ein datenbasiertes BGM, das aussagekräftige Kennzahlen liefert über den Gesundheitszustand einzelner Arbeitsbereiche, ganzer Organisationen oder Branchen und dabei interdisziplinär vorgeht – zur frühzeitigen Identifizierung von Risiken und Entwicklung gezielter gesundheitsförderlicher Projekte. 

Auf unserer diesjährigen BGM-Fachtagung möchten wir diese Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven und mit Blick auf verschiedene Branchen gemeinsam mit Ihnen und ausgewiesenen Fachreferent*innen diskutieren.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? dann freuen wir uns, Sie am 25. November 2021 bei der Online-Veranstaltung zu begrüßen.

Anmeldung zur Online-Veranstaltung (Zoom) unter:

www.bgm-bielefeld.de/bgm-fachtagung

Tagungsbeitrag: 185 Euro
155 Euro für Teilnehmer*innen der Weiterbildungsprogramme „Betriebliches Gesundheitsmanagement“

Programm

10.00 Uhr

Begrüßung und Eröffnung der Fachtagung

Dr. Uta Walter, Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Bielefeld e.V.

10.15 Uhr

Key-Note: Nachhaltige Unternehmensführung und Reporting nichtfinanzieller Kennzahlen

Prof. Dr. Bernhard Badura, Universität Bielefeld

11.00 Uhr

Kaffepause

  • Gelegenheit zum Austauschen und Netzwerken
  • Aktive Pause

11.15 Uhr

Parallele Workshops (s.u.)

13.00 Uhr

Mittagspause

14.00 Uhr

Parallele Workshops (s. u.)

15.45 Uhr

Kaffepause

  • Gelegenheit zum Austauschen und Netzwerken
  • Aktive Pause

16.15 Uhr

Key-Note: Prävention vor Kuration – Gesundheitsberichterstattung am Beispiel des bremischen öffentlichen Dienstes

Michael Gröne, Senator für Finanzen, Bremen

17.15 Uhr

Zusammenfassung und Abschluss

17.30 Uhr

Ende der Fachtagung

Parallele Workshops

Vormittag

Workshop 1

Gesundheit im Unternehmen präventiv und organisationsweit gestalten – Erfahrungen aus dem Bankensektor

Martina Kohrig, Sparkasse Vest, Recklinghausen

Workshop 2

Pflege.Kräfte.Stärken: Qualitätsgesicherte Ansätze für BGF und BGM in der Pflege

Werner Winter, AOK-Bundesverband, Berlin

Nachmittag

Workshop 3

Corona und die Folgen für BGM: Erkenntnisse einer qualitativen Studie

Dr. Uta Walter und Julia Rotzoll, Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Bielefeld e.V.

Workshop 4

Warum alle wollen und zu wenig passiert: Standards und Erfolgsfaktoren für wirksame Routinen im BGM

Dr. Sabine Meier (Health at Work( und Sascha Gutmann (Techniker Krankenkasse), Netzwerk Gesunde Betriebe OWL, Bielefeld

The Future of Recruiting

Home Office boomt – nicht zuletzt „dank“ der Corona-Pandemie. Die softgarden-Studie „Future of Recruiting“ zeigt, wie sehr die Ansprüche von Jobsuchenden und die Angebote der Unternehmen in dieser Hinsicht auseinandergehen und welche Prioritäten Personalabteilungen in Zukunft setzen sollten.

Befragt wurden insgesamt 3.561 Bewerber*innen sowie 251 HR-Verantwortliche, Zeitraum der Studie war Mai bis August 2021. Es zeigt sich, dass insbesondere Home Office bzw. remote work entscheidend für die Jobsuche ist. So suchen 70,6% bereits jetzt nach entsprechenden Jobs, drei Viertel gehen davon aus, dass die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten, nach Corona ein Schwerpunkt bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers sein wird. Dennoch beziehen nur 23,4% der aktuellen Jobanzeigen Home Office ein. Zudem glauben lediglich 49% der befragten HR-Verantwortlichen, dass zukünftig mehr remote work von ihren Unternehmen angeboten werden wird.

Auch die Erwartungen an die digitale Fitness von Arbeitgebern sind im Angesicht der Pandemie gewachsen: Fast 85% der Bewerber*innen erwarten eine bessere technische Ausstattung als bisher, mehr als drei Viertel und 76% rechnen bezüglich digitaler Prozesse mit größerer Transparenz. Über 70% erwarten zudem mehr Schnelligkeit.

Insgesamt hat Corona die Prioritäten von Jobsuchenden sichtbar beeinflusst. Softgardens Studie zeigt, dass „New-Work-Klassiker“ wie Sinn, engagierte Führungskräfte und Eigenverantwortung an Zustimmung verloren haben, wenngleich sie weiterhin aufgezählt werden. Wichtigste Aspekte bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sind nun eine offene Kommunikation (51,9%), ein gutes Gesundheitsmanagement (45,8%) sowie Jobsicherheit (45,2%). New Work selbst ist zwar für HR-Verantwortliche mit 75,5% weiterhin sehr relevant bei der Bewerbersuche, allerdings geben 41,4% der Jobsuchenden an, ihnen sei der Begriff unbekannt.

Wie bereits einige andere Studien zeigt auch die softgarden-Untersuchung, dass „business as usual“ nicht mehr zeitgemäß ist und Unternehmen sich bei der Suche nach den besten Fachkräften auf die neuen Entwicklungen einstellen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die strategische Entwicklung entsprechender Faktoren wird in den nächsten Jahren entscheidender denn je.

Die gesamte Studie finden Sie hier»

„Ein Rückblick ist kein Ausblick“

company bike mobilisiert bereits seit 2012 Unternehmen mit Dienstfahrrädern und einem Rundum-Sorglos-Service aus digitaler Abwicklung, individualisiertem Portal und mobilem Reparaturservice. Im Interview spricht CEO Maximilian Acht über Mobilität im Corona-Lockdown, die Gleichstellung von Mobilitätsangeboten und gelebte Strukturen als Grundlage für individualisierte Lösungen.

An Sie als Mensch und nicht als Leiter eines ausgezeichneten Gesundheits-dienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Das letzte Jahr war geprägt von einer gesellschaftlichen Verunsicherheit, welche auch in meinem privaten Umfeld stark spürbar war. Es wurde viel geredet, spekuliert und diskutiert. Das alltägliche Leben wurde hierbei auf eine ernste Probe gestellt. Letztlich hat es mich in meinem 

Handeln bestärkt, Dinge sachlich zu erörtern und mich an den positiven Entwicklungen zu orientieren. Durch ständige Kritik schaffen wir keine Lösungen und ein Rückblick ist kein Ausblick. Ich schaue konsequent nach vorne und gestalte eine bessere Zukunft.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“ Wie war Ihr Umgang mit der Pandemie? Hat sich Ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Bereits wenige Tage nach dem ersten Lockdown haben wir die zusätzliche Nachfrage an unseren nachhaltigen Mobiltitätsangeboten deutlich gespürt. Somit fühlen wir uns in unserem Handeln bestätigt und sehen die Erfahrungen aus der Pandemie als weiteren Ansporn. Mit unserer eigenen Supply Chain und unseren volldigitalisierten Prozessen konnten wir von Beginn der Pandemie an auf eine stabile Infrastruktur vertrauen. Unser junges Team hat die neue Situation sehr verantwortungsbewusst und offen angenommen, sodass wir jederzeit voll handlungsfähig gewesen sind.

 

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Das gewohnte Mobilitätsverhalten im Berufsalltag beeinflusst häufig auch die Fortbewegung in der Freizeit. Wir unterstützen den Mobilitätswandel in großen und mittelständischen Unternehmen und fördern die Nutzung des Fahrrads/E-Bikes als weitreichende Alternative zum Auto. Das Resultat sind gesündere Mitarbeiter mit einer hohen Identifikation zu ihrem Arbeitgeber. Durch eine aufwandsarme Administration und maßgeschneiderte Servicelösungen schaffen wir erhebliche Mehrwerte für alle Beteiligten.

 

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

In zahlreichen Unternehmen und Branchen gibt es weiterhin Barrieren bei der Gleichstellung von Firmenwagen und Firmenrad. Wir engagieren uns daher in verschiedenen Interessensverbänden, damit Arbeitnehmer aller Branchen in den Genuss der nachhaltigen Subventionierung kommen. Darüber hinaus analysieren wir aufkommende Bedürfnisse im Markt, der durch das veränderte Mobilitätsverhalten eine sehr große Dynamik erlebt und sich täglich weiterentwickelt. Wir reagieren mit innovativen Lösungsansätzen und setzen hierbei stets neue Maßstäbe.

 

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Wir freuen uns sehr, dass wir reihenweise glückliche Rückmeldungen von unseren Kunden erhalten. Häufig stehen hierbei die wiedererkannte Freude am Radfahren und der große Radius mit elektrischer Unterstützung im Vordergrund. Besonders während des Lockdowns konnten wir zudem viele Kunden mit unserem mobilen Service und unserer persönlichen (coronakonformen) Nähe begeistern. Unser hybrides Geschäftsmodell (digitale Auswahl & physischer Service) ist für viele die perfekte Synergie der Gegenwart.

 

Was macht Company Bike anders als andere Anbieter?

Wir gestalten ein sinnvolles Angebot ohne unnötige Preistreiber, getreu dem Motto „die schönsten Blumen statt den ganzen Strauß“. In der Zusammenarbeit mit großen und mittelständischen Unternehmen sehen wir dies als unsere Verantwortung gegenüber den verschiedenen Personengruppen. Zudem passen wir unsere Dienstleistung bis ins Detail an die gelebten Strukturen an und ermöglichen einzigartige Services. Hierbei bieten wir alle Leistungsbestandteile aus einer Hand an, sodass Vorgaben in jedem Prozessabschnitt berücksichtigt werden können. Individualisierte Lösungen sind für uns der Schlüssel zu einer langfristigen Zusammenarbeit mit sämtlichen Geschäftspartnern.

Sonderpreise des Corporate Health Awards

Die Auditierung der Bewerber um den diesjährigen Corporate Health Award geht in die Schlussphase, im Anschluss werden die Unternehmen mit dem bundesweit besten Corporate Health Management ausgezeichnet. Neben den 17 Branchenpreisen werden auch 2021 wieder verschiedene Sonderpreise vergeben. Welche das sind und warum wir deren Themen als besonders wichtig erachten, möchten wir hier kurz vorstellen.

Sonderpreis für den Mittelstand

Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) sind beim Gesundheitsmanagement in einer besonderen Situation: wo Großkonzerne oft eigene Abteilungen und Systeme haben und ihr Gesundheitsmanagement strategisch begreifen und weiterentwickeln, sind gerade präventive Maßnahmen in einem gesunden Arbeitsumfeld für mittelständische Betriebe essentiell, um ihre Mitarbeitenden langfristig und motiviert im Unternehmen zu halten. Flache Hierarchien und das aktive Einbringen der Geschäftsführung in den Unternehmensalltag ermöglichen zudem eine persönliche Bindung und Sorge um das Wohlbefinden der Beschäftigten. Auch ohne spezielles Budget für Gesundheitsmanagement zeichnet der Mittelstand sich Jahr für Jahr durch kreative und individuelle Lösungen und Projekte für die Gesundheit der Mitarbeiter*innen aus – eine Stärke, die vom Corporate Health Award durch den Sonderpreis Mittelstand in den verschiedenen Branchen ausgezeichnet wird.

Der Sonderpreis Mittelstand wird gemeinsam mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) verliehen.

Sonderpreis Gesunde Hochschule

Dieser Sonderpreis besteht tatsächlich aus zwei Awards: einmal für Betriebliches und einmal für Studentisches Gesundheitsmanagement. Hochschulen stehen nämlich vor der Herausforderung, die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer verschiedenen Statusgruppen auch in Angeboten zu Gesundheitsförderung und -prävention abzubilden. Die Ansprüche von Studierenden, Lehrenden, Beschäftigen und Auszubildenden müssen auf einen Nenner gebracht und nachhaltig umgesetzt werden. Bereits seit 2013 ist die Verleihung des Sonderpreises gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK) fester Bestandteil des Corporate Health Awards, seit 2018 wird durch die Aufteilung in zwei Kategorien den unterschiedlichen Anforderungen und besonderen Leistungen der Hochschulen besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Sonderpreis Gesundes Handwerk

Im Handwerk treffen mit Fachkräftemangel und körperlicher Belastung zwei Faktoren aufeinander, die durch ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement abgemildert werden können: Beschäftigte mit entsprechenden Präventions- und Gesundheitsangeboten bleiben länger gesund und leistungsfähig, zudem sind Betriebe mit diesem Problembewusstsein deutlich attraktiver. Die individuell abgestimmten Lösungen, die von den Unternehmen entwickelt werden, überraschen uns jedes Jahr aufs Neue sehr positiv. Da Handwerksbetriebe zudem oft zu den Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) gehören, haben die Sonderpreisträger stets auch eine wichtige Vorbildfunktion: dass kreative und nachhaltige Gesundheitsförderung keine Frage der Größe ist, sondern persönliches Engagement und strategisches Bewusstsein voraussetzt.

Der Sonderpreis Gesundes Handwerk wird gemeinsam mit der größten deutschen Innungskrankenkasse IKK classic verliehen.

Sonderpreis Gesundheitskommunikation

Mans Health Womans health

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ – schon Ludwig Wittgenstein weist darauf hin, wie grundlegend Sprache und Kommunikation für die Vermittlung von Inhalten ist. Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit in der Kommunikation sind Kernelemente einer guten Unternehmensführung und gerade im Bereich der Vermittlung von Gesundheitsthemen essentiell. Eine zielgerichtete Gesundheitskommunikation zeichnet sich durch Transparenz und Mitarbeiternähe aus und ist gerade jetzt Grundlage für den Erhalt der Unternehmenskultur trotz komplizierter Arbeits- und Lebenswelten, für die Motivation der Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichen Arbeitsweisen sowie die Vermittlung von nun regelrecht lebenswichtigen Hygieneregeln. Beschäftigte individuell anzusprechen, abzuholen und zu informieren ist nicht leicht – umso wichtiger die Vorbildfunktion der Unternehmen, die mit diesem Sonderpreis des Corporate Health Awards gemeinsam mit MEN’S HEALTH und WOMEN’S HEALTH ausgezeichnet werden.

Neu dabei: Sonderpreis für die Legal-Branche

Unser Bild von Beschäftigten in der Rechtsbranche ist oft medial geprägt: aufregende Fälle und der Einsatz für die Gerechtigkeit. Nicht gesehen werden die große Verantwortung, fallabhängigen Belastungsspitzen sowie die hohen Anforderungen an Kompetenz und Selbstdisziplin. Der neue Sonderpreis, der in diesem Jahr das erste Mal gemeinsam mit LECARE und dem Liquid Legal Institute verliehen wird, legt den Fokus auf die besonderen Gesundheitsrisiken dieser Branche und zeigt Best Practices, die dank der starken internen Vernetzung inspirieren und zur Nachahmung anregen sollen.

Weitere Sonderpreise

Während der Auswertung der Bewerbungen und Auditierungen werden immer wieder besondere Leistungen in bestimmten Bereichen festgestellt. Auch, wenn es vielleicht nicht für den Branchensieg reicht, sollen diese herausragenden Strategien natürlich trotzdem entsprechend gewürdigt werden. Deshalb werden jedes Jahr weitere Sonderpreise an Unternehmen verliehen, die sich in dieser Hinsicht um ihre Beschäftigten verdient gemacht haben. In den letzten Jahren gehörten dazu unter anderem Sonderpreis für Mental Health, Digitales, Internationales, Pandemie-Management, Check-Up oder Führung. Wir sind gespannt auf die diesjährigen Ergebnisse!

Alle Sonderpreise, Porträts der Sonderpreispartner sowie die Gewinner der letzten Jahre finden Sie auf der Seite des Corporate Health Awards: www.ch-award.de

Studie der IKK classic zur Wirkung von Diskriminierung und Vorurteilen

Vorurteile und Diskriminierungen sind ein großes gesellschaftlichen Problem – und ein medizinisches: Sie können zu psychischer Belastung führen, zu Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln und daher auch zu Ängsten oder Depressionen. Schlafstörungen, Migräne oder Essstörungen sind ebenfalls verbreitete Folgeerscheinungen.

Das rheingold Insitut hat im Auftrag der IKK classic eine Grundlagenstudie verfasst, die die Entstehung und Verbreitung von Vorurteilen und ihre Folgen untersucht und erstmals den direkten Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und den Auswirkungen auf die Gesundheit aufzeigt. Auf dieser Basis will die Krankenkasse ihr langfristiges Engagement für einen wertschätzenden gesellschaftlichen Umgang miteinander stärken. Außerdem sollen Menschen, Medien und Unternehmen aufgeklärt und sensibilisiert werden.

Denn das Problem ist allgegenwärtig: So sind oder waren rund 60 Prozent der Menschen in Deutschland bereits von Diskriminierung oder Vorurteilen betroffen. Dabei weisen die Studienautoren darauf hin, dass Vorurteile selbst ein natürlicher psychischer Prozess sind und uns helfen, unsere komplexe Umwelt in Kategorien zu sortieren und somit schneller reagieren zu können. Diese „Schubladen“ werden jedoch schnell unflexibel und erzeugen generalisierte Bilder von Menschen, die wir bestimmten Gruppen zuordnen und entsprechend behandeln – eine Grundlage für diskriminierendes Verhalten. Während offene Anfeindungen seit den 1980er Jahren seltener geworden sind, nehmen subtilere Formen und Mobbing zu. Hier ist besonders die Veränderung der Kommunikation durch die sozialen Medien zu nennen, die als „enthemmte“ Räume Gelegenheit auch zu anonymen Handlungen bieten. Die Problematik von Vorurteilen und Diskriminierung ist den Befragten der Studie bewusst, wie die folgende Grafik zeigt:

© IKK classic

Die Verbreitung von Vorurteilen wird jedoch deutlich unterschätzt. So werden sie zwar bei der Hälfte aller Menschen vermutet, ein Fünftel der Befragten geht aber davon aus, dass weniger als 50 Prozent Vorurteile haben. Dabei geben durchschnittlich 40 Prozent an, gelegentlich vorurteilsbedingt zu handeln.

© IKK classic

Dabei haben selbst Betroffene häufig Schwierigkeiten, Diskriminierungen als solche zu erkennen. Bei offensichtlichen Handlungen wie Belästigung oder Körperverletzung oder Kontaktabbrüchen ist die Einordnung noch leicht, Benachteiligung bei der Job- oder Wohnungssuche oder sogenannte Mikroaggressionen führen dagegen oft zu großer Unsicherheit in der Wahrnehmung. Gerade letztere werden aber besonders häufig erlebt:

© IKK classic

Unsicherheit, Irritation, Scham und Hilflosigkeit sind oft die ersten Reaktionen auf das Erlebte. Die Fremdbestimmung durch die Reduzierung auf bestimmte Merkmale oder Zugehörigkeiten kann dann zu Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln führen, die in einer Angstspirale enden und die zwischenmenschliche Interaktion langfristig prägen. Schwächere Formen von Diskriminierung führen häufig auch zu Wut und Ungerechtigkeitsempfinden bei den Betroffenen, stärkere rufen eher Gefühle von Demütigung, Ausgrenzung und Entsetzen hervor. Positive Entwicklungen sind selten, auch wenn gerade Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund in der Studie angeben, durch das Erlebte „abgehärtet“ zu sein. Verdrängung und längerfristiges Vermeidungsverhalten in Bezug auf bestimmte Situationen oder Menschen prägen anschließend mehrheitlich den Umgang mit dem Erlebten.

© IKK classic

„Diskriminierung führt zu Rückzug führt zu Isolation führt zu Depression“ – diese Zwischenüberschrift der Studie spiegelt sich in den Ergebnissen wieder. So sind Menschen, die unter Diskriminierung leiden, zweieinhalb mal so oft von Depressionen betroffen wie Nicht-diskriminierte. Angststörungen kommen sogar 2,8-mal so häufig vor, Zusammenbrüche oder Burn-out gar 3,4-mal. Verständlicherweise folgt daraus oft ein grundsätzliches Krankheitsgefühl, die Lebenszufriedenheit und –qualität sinkt.

© IKK classic

Wie kann in dieser Situation neuer Halt, neue Stärke gefunden werden? Die Befragten nennen vor allem Partner, Familie und Freunde, aber auch die eigene Kraft – Selbstbehauptungswille, Durchsetzungskraft oder eigene Erfolge – sind eine wichtige Ressource. Zudem spielen Vorbilder sowohl im realen Leben als auch in den Medien eine Rolle, die auch beim Abbau von Vorurteilen helfen können: Sichtbare Diversität erweitert den Horizont dessen, was als „normal“ und als „fremd“ empfunden wird und regt zu Perspektivwechseln an. Im Sozialleben ist der Kontakt zu Menschen einer sozialen Gruppe, der wir mit Vorurteilen begegnen, der stärkste Hebel im Kampf gegen Vorurteile: Das Verfolgen gemeinsamer Ziele, beispielsweise in gemischten Arbeitsteams und mit entsprechender Unterstützung, stärkt diesen Effekt zusätzlich.

Die Ergebnisse dieser Studie sollen der Startschuss für ein langfristiges Engagement der IKK classic gegen Vorurteile und Diskriminierung sein. Dazu gehören neben den Maßnahmen, die bereits jetzt für Betroffene angeboten werden – wie eine 24 Stunden-Hotline oder die Unterstützung bei der Therapeutensuche – die gesellschaftliche Sensibilisierung und die Entwicklung weiterer Maßnahmen. Denn es sollen nicht nur die Symptome, sondern vor allem die Ursachen bekämpft werden – damit es uns allen gemeinsam besser geht.

Die gesamte Grundlagenstudie des rheingold Instituts im Auftrag der IKK classic finden Sie hier:

www.ikk-classic.de/gesund-machen/vorurteile-machen-krank