Demographie-Index: Kein Alter für die Rente

Immer wieder wird als Antwort auf Fachkräftemangel und demographischen Wandel über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters diskutiert. Eine Umfrage des Demographischen Netzwerks e.V. (ddn) zeigt nun, wie unrealistisch diese Forderung tatsächlich ist. So wünscht sich eine Mehrheit der Erwerbstätigen ein Ausscheiden aus dem Arbeitsleben bereits vor dem 63. Lebensjahr. Nur jede*r Achte möchte bis zum gesetzlichen Rentenalter mit 67 Jahren erwerbstätig bleiben, und lediglich ein Viertel hält sich überhaupt für körperlich und geistig in der Lage dazu.

Interessant sind die Unterschiede nach Ausbildung und beruflicher Stellung: Während 90% der befragten Arbeiter*innen sich nicht in der Lage fühlt, bis 65 oder länger zu arbeiten, sind es bei Angestellten und Beamten nur etwa 70%. Ein Viertel der Akademiker*innen schätzt hingegen die eigene Fitness stark genug ein, sogar länger als bis 69 Jahre arbeiten zu können. Zudem zeigt sich ein Unterschied anhand des Lebensalters, der gewünschte Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Erwerbsleben nimmt mit steigendem Alter zu: 60% der befragten 18- bis 29-Jährigen wollen bereits mit 61 Jahren oder früher in Rente gehen.

Als Haupthindernisse für ein längeres Erwerbsleben identifiziert die vom Marktforschungsinstitut Civey durchgeführte Studie Stress (40%), geringe zeitliche Flexibilität (34%) sowie geringes Gehalt (33%). Auch mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte wurde von knapp einem Viertel der Befragten genannt. Bei Arbeiter*innen sind körperliche Belastung und Arbeitsstress die wichtigsten Punkte.

Insgesamt geht die Mehrheit der Befragten davon aus, dass auch bei einem regulären Renteneintritt das Geld im Alter nicht ausreichen wird. Auch hier zeigt sich ein Unterschied zwischen Arbeiter*innen (75%), leitenden Angestellten (42%) und Beamt*innen (30%), eine große Schere öffnet sich allerdings dank Gender Pay Gap auch zwischen Frauen und Männern: zwischen ihnen liegen ganze 20 Prozent (62 bzw. 42%).

Das Demographische Netzwerk e.V. sieht in den Ergebnissen der Studie einen ganz klaren Auftrag an Wirtschaft und Politik, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und für flexiblere, bspw. nach Arbeitstätigkeit differenzierte Regelungen des Rentenalters zu sorgen. Chancen biete zudem ein nachhaltiges Demographiemanagement, mit dem Potenziale jeden Lebensalters sinnvoll genutzt und individuell gestaltet werden können.

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