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Depressionsbarometer 2021: Unternehmen als Ort der Volkskrankheit Depression

Etwa zwanzig Prozent der deutschen Arbeitnehmer*innen leiden oder litten bereits an einer Depression. Die mittlerweile fünfte Ausgabe des Deutschland-Barometers Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe untersucht in einer repräsentativen Befragung Einstellungen und Erfahrungen zur Depression in der Bevölkerung. Darin zeigt sich insbesondere die Rolle von Unternehmen: so werden Belastungen am Arbeitsplatz oder Konflikte im Job als wichtigste Ursache für die Erkrankung angesehen, während die erblichen und biologischen Komponenten wenig bekannt sind.

Im Gegenteil kann der Arbeitsplatz eine wichtige Stütze sein: so spricht zwar die Mehrheit der erkrankten Beschäftigten im Job nicht darüber, diejenigen, die es tun, machen aber zum Großteil positive Erfahrungen. Werden mögliche Anlaufstellen innerhalb der Organisation – beispielsweise Betriebsärzt*innen, Betriebsrat oder Sozialberatung) in Anspruch genommen, sind 74 Prozent damit sehr zufrieden. Im Gegensatz dazu fühlt sich allerdings auch etwa ein Viertel der betroffenen Beschäftigten auf ihre Erkrankung reduziert.

Angesichts der Häufigkeit und Verbreitung der Krankheit bei gleichzeitig vergleichsweise wenig Wissen in der Bevölkerung empfiehlt Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Unternehmen dringend den Aufbau von Basiswissen und Handlungskompetenz zu Depression und auch Suizidprävention: „Depression ist eine häufige und schwere Krankheit. Statistisch gesehen gibt es in nahezu jedem Unternehmen depressiv erkrankte Mitarbeiter. Arbeitgeber können viel dazu beitragen, dass betroffene Beschäftigte rascher in eine professionelle Behandlung kommen. Dadurch können neben großen Leid auch Kosten vermieden werden.“ Zudem weist Hegerl auf die wichtigen Fähigkeiten der Betroffenen hin, die im gesunden Zustand oft Leistungsträger der Unternehmen seien: „Sie reagieren mit großer Dankbarkeit, wenn sie von Seiten des Unternehmens auf verständnisvolle und sachgerechte Reaktionen stoßen.“

Angesichts dessen, dass bereits 15 Prozent der Mitarbeiter*innen einen Suizid- oder Suizidversuch im Kolleg*innenkreis erlebt haben, sind Schulungen von Personalverantwortlichen und Führungskräften ein wichtiger Schritt zu einer offenen Unternehmenskultur, in der Betroffene sich sicher fühlen können. Auch neue Ansätze wie Peer-Beratungen, bei denen Beschäftigte mit Depressionserfahrung niederschwellige Beratung für ihre Kolleg*innen anbieten, fördern ein offenes Verhältnis und damit die Gewissheit, Ansprechpartner*innen auch für solche schwierigen Themen zu haben.

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