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How’s Work? – Beschäftigtenstudie der Techniker Krankenkasse

Präsentismus, Schlafverhalten und gesunde Ernährung: die Beschäftigtenstudie „How’s Work“ der Techniker Krankenkasse untersucht wichtige Faktoren, die Arbeitnehmer*innen beschäftigen. Eine wichtige Erkenntnis der Untersuchung ist die hohe Belastung; so haben 40 Prozent der Befragten zu wenig Zeit für die Erledigung ihrer Aufgaben und müssen oft oder immer sehr schnell arbeiten. Alarmierend ist auch, dass über die Hälfte der Beschäftigten manchmal, häufig oder sogar sehr häufig krank arbeitet, auch gegen deutlichen ärztlichen Rat. Über ein Drittel arbeitet sogar mit schweren Krankheitssymptomen. Dabei darf auch im Home Office nicht vergessen werden: krank ist krank!

Gerade für sitzende Tätigkeiten ist regelmäßige Bewegung eine wichtige Abwechslung. Allerdings sind es gerade diejenigen, die sich auch privat oder eigenverantwortlich viel bewegen, die sich zusätzliche Angebote am Arbeitsplatz wünschen. Immerhin: Über ein Fünftel der Beschäftigten bewegt sich ausreichend und fast 65 Prozent erzielen zusätzliche Gesundheitseffekte durch die Integration körperlicher Bewegung in ihren Alltag.

Gesundheitseffekte lassen sich auch durch eine ausgewogene Ernährung erzielen. Diese wird, gemessen an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), aber lediglich von 2,3 Prozent der Beschäftigten erreicht. Insgesamt essen Frauen tendenziell mehr Obst und Gemüse als Männer, Beschäftigte aus den neuen Bundesländern mehr als solche aus dem Westen. Eine wichtige Rolle spielen offensichtlich Kantinen: so sehen zwar fast 65 Prozent der Beschäftigten hier Handlungsbedarf für die eigene Organisation, insgesamt wird aber in Großunternehmen und öffentlichen Einrichtungen, die häufiger Betriebsverpflegung anbieten, gesünder gegessen. Eine wichtige Rolle spielt zudem das Trinkverhalten: während jüngere Menschen (bis 29 Jahre) die empfohlene Flüssigkeitsmenge von mindestens eineinhalb Litern pro Tag zu fast 70 Prozent erreichen, sinkt die Trinkmenge mit steigendem Alter stetig. Fast 40 Prozent der Befragten trinkt demnach zu wenig – ein Problem für Körper und Geist: „Schon ein geringer Flüssigkeitsverlust schränkt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit ein und verringert die Konzentration und Reaktionsfähigkeit“, so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

Die Studie, die im Auftrag der TK durch das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung durchgeführt wurde, liefert weiterhin Ergebnisse zum Schlafverhalten von Arbeitnehmer*innen (schlechterer Schlaf mit zunehmendem Alter, aber „Power Naps“ am Nachmittag vor allem durch jüngere Beschäftigte), zur Unterstützung von Kolleg*innen (je besser das Verhältnis innerhalb der Belegschaft desto größer die Zufriedenheit mit der Arbeit insgesamt) und den Einfluss der Führungsqualität auf die Arbeitszufriedenheit.

Gerade jetzt, wo die Arbeitswelt sich anhand der neuen Herausforderungen rasant weiterentwickelt, sind Unternehmen gefragt, ihre Beschäftigten gesund zu halten und langfristig zu motivieren. Arbeit trotz teils schwerer Erkrankung, auch ansteckungsfrei im Home Office, ist genauso kontraproduktiv für die individuelle Gesundheit wie für die Leistungsfähigkeit, das Ruhebedürfnis von Arbeitnehmer*innen aufgrund von Überarbeitung der auch allgemeiner Belastung ernst zu nehmen und Gesundheitsförderung sinnvoll in den Arbeitsalltag zu integrieren. Die Studie der Techniker Krankenkasse liefert für diese Perspektiven die wichtigsten Grundlagen.

Hier geht’s zur Studie »

The Future of Recruiting

Home Office boomt – nicht zuletzt „dank“ der Corona-Pandemie. Die softgarden-Studie „Future of Recruiting“ zeigt, wie sehr die Ansprüche von Jobsuchenden und die Angebote der Unternehmen in dieser Hinsicht auseinandergehen und welche Prioritäten Personalabteilungen in Zukunft setzen sollten.

Befragt wurden insgesamt 3.561 Bewerber*innen sowie 251 HR-Verantwortliche, Zeitraum der Studie war Mai bis August 2021. Es zeigt sich, dass insbesondere Home Office bzw. remote work entscheidend für die Jobsuche ist. So suchen 70,6% bereits jetzt nach entsprechenden Jobs, drei Viertel gehen davon aus, dass die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten, nach Corona ein Schwerpunkt bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers sein wird. Dennoch beziehen nur 23,4% der aktuellen Jobanzeigen Home Office ein. Zudem glauben lediglich 49% der befragten HR-Verantwortlichen, dass zukünftig mehr remote work von ihren Unternehmen angeboten werden wird.

Auch die Erwartungen an die digitale Fitness von Arbeitgebern sind im Angesicht der Pandemie gewachsen: Fast 85% der Bewerber*innen erwarten eine bessere technische Ausstattung als bisher, mehr als drei Viertel und 76% rechnen bezüglich digitaler Prozesse mit größerer Transparenz. Über 70% erwarten zudem mehr Schnelligkeit.

Insgesamt hat Corona die Prioritäten von Jobsuchenden sichtbar beeinflusst. Softgardens Studie zeigt, dass „New-Work-Klassiker“ wie Sinn, engagierte Führungskräfte und Eigenverantwortung an Zustimmung verloren haben, wenngleich sie weiterhin aufgezählt werden. Wichtigste Aspekte bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sind nun eine offene Kommunikation (51,9%), ein gutes Gesundheitsmanagement (45,8%) sowie Jobsicherheit (45,2%). New Work selbst ist zwar für HR-Verantwortliche mit 75,5% weiterhin sehr relevant bei der Bewerbersuche, allerdings geben 41,4% der Jobsuchenden an, ihnen sei der Begriff unbekannt.

Wie bereits einige andere Studien zeigt auch die softgarden-Untersuchung, dass „business as usual“ nicht mehr zeitgemäß ist und Unternehmen sich bei der Suche nach den besten Fachkräften auf die neuen Entwicklungen einstellen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die strategische Entwicklung entsprechender Faktoren wird in den nächsten Jahren entscheidender denn je.

Die gesamte Studie finden Sie hier»

Geringer Krankenstand – hohe psychische Belastung: Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse nach einem Jahr Corona-Pandemie

Mehr als ein Jahr hat die Corona-Pandemie Deutschland schon im Griff und beeinflusst maßgeblich das Leben der Bevölkerung. Auch wenn inzwischen wieder viele Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgehoben wurden, zeigt der Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse», dass der Dauerlockdown bei den Menschen Spuren hinterlassen hat.

Für die Ergebnisse des Gesundheitsreports wurden die Arzneimittelverordnungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Zudem wurden die Ergebnisse einer bundesweiten bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstitut Forsa, welche 1.000 Menschen im Mai 2020 und März 2021 telefonisch zu ihrer Belastung durch Corona befragt haben, mit in die Auswertung einbezogen.

Im März dieses Jahres fühlten sich demnach 42 Prozent der Bevölkerung in Deutschland stark oder sogar sehr stark von der Corona-Situation belastet. Ein Jahr zuvor bei der Befragung im Mai 2020 waren es noch 35 Prozent.  Auffällig ist, dass sich vor allem die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überproportional mehr durch die Corona-Pandemie belastet fühlten als die durchschnittliche Bevölkerung. Fehlende persönliche Treffen mit Verwandten oder Freunden und Angst, dass Angehörige oder Freunde an Corona erkranken, wurden als Hauptbelastungsfaktoren empfunden. Bei Berufstätigen wurde zudem auch häufig über vermehrten Stress am Arbeitsplatz berichtet.

Besonders gestresst fühlten sich Eltern mit mindestens einem Kind, die im Home Office arbeiten. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) dieser Gruppe gaben im März an, stark oder sehr stark durch die Pandemie belastet zu sein. Bei der ersten Erhebung im Mai 2020 waren es 45 Prozent. Berufstätige im Home Office ohne Kinder fühlten sich hingegen weniger gestresst. An beiden Befragungszeitpunkten gaben nur 31 Prozent der Beschäftigten an, stark oder sehr stark durch die Corona-Situation belastet zu sein. Von den Berufstätigen, welche in Präsenz arbeiten, gaben knapp die Hälfte (46 Prozent) der Befragten an durch die Pandemie belastet zu sein. Das gilt sowohl für die Beschäftigten mit als auch diejenigen ohne Kinder.

Essentiell ist daher weiterhin das Schaffen einer gesunden Arbeitsumgebung, ob im Büro oder im Home Office. Unternehmen können sich dabei auch von der TK Unterstützung im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements holen. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: „Dabei geht es nicht nur um einen ergonomischen Arbeitsplatz und eine reibungslose IT. Die viel größere Herausforderung ist es, auch auf die Entfernung eine wertschätzende, vertrauensvolle und transparente Arbeitskultur zur verankern. Das sind entscheidende Faktoren für Motivation, Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Die zunehmende Belastung in der Bevölkerung im Verlauf der Corona-Pandemie wurde auch von einer Langzeitstudie des psychologischen Instituts der Technischen Universität Chemnitz, die in Kooperation mit der TK durchgeführt wurde, festgestellt. Die sozialen und beruflichen Herausforderungen haben den Stress der Menschen dauerhaft erhöht; gleichzeitig war es durch die Maßnahmen im Lockdown kaum möglich, die eigenen Ressourcen wieder aufzufüllen, beispielsweise durch Reisen, Sport- und Kulturveranstaltungen oder Treffen im Freundeskreis. Laut Studienleiter Professor Dr. Bertholt Meyer» kann dieses Ungleichgewicht auf Dauer zur Erschöpfung und in schweren Fällen zum Burnout führen. Auch Angebote zu Stressmanagement und individueller Ressourcennutzung sind Bestandteil eines umfassenden und nachhaltigen Gesundheitsmanagements in Unternehmen und helfen bei der Prävention von Erschöpfungszuständen.

Ende der Home Office-Pflicht

Zum heutigen 01. Juli endet die Pflicht für Unternehmen, nach Möglichkeit Home Office anzubieten, wie es in der sog. Bundesnotbremse festgelegt wurde. Bis zum 10. September gilt nun die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung». Darin ist beispielsweise geregelt, dass weiterhin betriebliche Hygienepläne und Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen werden müssen; bei fehlenden Abstandsmöglichkeiten oder Trennwänden müssen so beispielsweise medizinische Masken zur Verfügung gestellt werden. Die Pflicht für Unternehmen, ihren Mitarbeiter*innen mindestens zwei Corona-Schnelltests pro Woche anzubieten, bleibt allerdings bestehen, sofern nicht andere Schutzmaßnahmen die Infektionsgefahr minimieren, zum Beispiel die vollständige Impfung aller Anwesenden. Kontakte sollen weiterhin reduziert werden, die gleichzeitige Nutzung von Räumen also auf das betriebsnotwendige Minimum reduziert bleiben.

Die neue Verordnung soll die betrieblichen Maßnahmen an die zur Zeit niedrigen Infektionszahlen anpassen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bleibt vorsichtig»: „Eine vierte Welle muss unbedingt vermieden werden, zumal sich die besonders ansteckende Delta-Variante rasch ausbreitet. Die jetzt vorgenommenen Anpassungen der Corona-Arbeitsschutzverordnungen ermöglichen es, die betrieblichen Infektionsschutzmaßnahmen an die erfreulich gesunkenen Infektionszahlen anzupassen. Auch die zunehmende Impfquote der Beschäftigten kann künftig berücksichtigt werden. Damit schaffen wir bundesweit Sicherheit, Verlässlichkeit und Planbarkeit für Beschäftigte und Arbeitgeber.“

Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom» hatte zuletzt ergeben, dass eine Mehrheit der Arbeitnehmer*innen auch nach dem Auslaufen der Bundesnotbremse gerne im Home Office arbeiten möchte. Jedes dritte Unternehmen hatte jedoch auch während der Angebotspflicht auf Präsenzarbeit bestanden.

Bitkom-Studie: Wunsch nach Home Office bleibt

Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom» zeigt, dass mehr als die Hälfte der Deutschen sich eine Pflicht zum Home Office für geeignete Tätigkeiten bis zum vollständigen Ende der Pandemie wünscht. 51 Prozent wollen auch darüber hinaus ganz oder teilweise von zuhause aus arbeiten. Die verschärften Regelungen dazu, die im Januar im Zuge des Corona-Lockdowns beschlossen wurden, haben demnach nicht nur zu einer höheren Zahl an Home Office-Arbeitenden geführt – während es Ende 2020 noch 45 Prozent waren, waren es Ende Mai schon 58 Prozent – sondern auch die Akzeptanz bei den Beschäftigten verstärkt.

Die Untersuchung zeigt jedoch auch, dass die Unternehmen sich noch stärker in die Weiterentwicklung flexibler Arbeitsweisen einbringen können. So wird die technische Ausstattung des Home Office von 45 Prozent der Arbeitgeber nicht zur Verfügung gestellt, was zu Beginn der Pandemie für einen reibungslosen Ablauf der Umstellung die unkomplizierteste Lösung war, darüber hinaus aber eine finanzielle und organisatorische Mehrbelastung für Beschäftigte darstellt. Zudem besteht jedes dritte Unternehmen nachdrücklich auf Präsenzarbeit, trotz entsprechender Anordnung und technischer Möglichkeit.

Mit entsprechender organisationaler Einbindung in die Unternehmensabläufe, Unterstützung bei der Einrichtung und bei der Abgrenzung von Arbeit und Freizeit können Home Office und andere Formen von remote work auch über den konkreten Schutz in der Pandemie hinaus zu flexibleren Arbeitsformen und einer besseren Work-Life-Balance beitragen. Nicht nur Arbeitgeber und Beschäftigte müssen dafür vertrauensvoll zusammenarbeiten, auch steuerliche Anreize, wie von Bitkom-Präsident Achim Berg vorgeschlagen, können zu weiterer Akzeptanz und besseren Bedingungen beitragen.

Überstunden und Gesundheitsrisiko

Eine aktuelle Auskunft der Bundesregierung» zeigt die hohe Zahl an Überstunden, die Beschäftigte im letzten Jahr trotz der pandemiebedingten Einschränkungen für Unternehmen erbracht haben: nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kamen in 2020 1,67 Milliarden Überstunden zusammen, über die Hälfte davon – 892 Millionen – unbezahlt. Im Jahr 2019 waren es 1,86 Milliarden Überstunden.

Dabei zeigt eine weltweite Untersuchung der World Health Organization (WHO) und der International Labour Organization (ILO)», dass verschiedene Gesundheitsrisiken bei langen Arbeitszeiten merklich steigen. Im Vergleich zu Menschen mit 35-40 Wochenstunden erhöht eine Wochenarbeitszeit von 55 und mehr Stunden pro Woche das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 35 bzw. 17 Prozent. Insgesamt ist die gesamte Arbeitszeit seit dem Jahr 2000 um 29% angestiegen. Zwar gelten in Europa Arbeitsschutzgesetze, die zumindest in nichtselbstständiger Beschäftigung solche Arbeitszeiten gemeinhin ausschließen. Die Studie bezieht jedoch die sogenannte Care-Arbeit, also beispielsweise Hausarbeit, Kinderbetreuung oder die Pflege Angehöriger, nicht mit ein, die dennoch zur Belastung beiträgt.

Betrachtet man beide Untersuchungen, wird klar, dass Work-Life-Balance nicht nur ein Modewort sein kann, sondern – wie es in vielen Unternehmen bereits gelebt wird – Grundlage für eine nachhaltig gesunde Arbeitsweise ist. Nur motivierte Beschäftigte mit angemessenem Workload können langfristig den erforderlichen Einsatz für das Unternehmen bringen, ohne Burn-out oder innere Kündigung. Gerade im Home Office ist es daher wichtig, die Mitarbeiter*innen bei klaren Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu unterstützen, Rücksicht auf die individuelle Situation zu nehmen und Angebote zur Gesundheitsförderung, die unbedingt weitergeführt werden sollten, entsprechend anzupassen. Führungskräfte sollten sich regelmäßig fortbilden und überprüfen, ob Strukturen, Strategie, Arbeitsaufteilung und natürlich auch die Teamgröße den anfallenden Aufgaben noch gewachsen sind oder einer Weiterentwicklung bedürfen. Auch Maßnahmen zum Talentmanagement sowie die für viele Unternehmen gesetzlich vorgeschriebene Psychische Gefährdungsanalyse können helfen, übermäßige Belastungen zu identifizieren, abzufangen und Teams besser und resilienter aufzustellen.

Was bedeutet die Bundesnotbremse für Unternehmen?

Am 21. April hat der Bundestag einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes zugestimmt, die auch die sog. Bundesnotbremse enthält. Mit den darin formulierten Maßnahmen soll endlich die dritte Welle der Corona-Pandemie gebrochen, die Intensivstationen entlastet und der Impffortschritt gefördert werden. Sie greifen einheitlich im gesamten Bundesgebiet, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinanderfolgenden Tagen der Schwellenwert von 100 bei der Anzahl von Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen überschritten wird. Doch was bedeuten die neuen Regelungen für Unternehmen?

Home Office: Pflicht für Unternehmen und Beschäftigte

Während bisher stets zur Einrichtung von Home Office gedrängt wurde, werden Unternehmen nun gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Beschäftigten nach Möglichkeit von zu Hause arbeiten zu lassen. Wichtige Neuerung: die Mitarbeiter*innen müssen diese Möglichkeit auch wahrnehmen, sofern bspw. die häusliche Situation nicht entschieden dagegen spricht.

Zwei Testangebote pro Woche

Arbeiten Beschäftige nicht ausschließlich zuhause, muss der Arbeitgeber nun zwei Tests zum Nachweis des Corona-Virus pro Woche zur Verfügung stellen. Infrage kommen dafür sowohl Antigen-Schnelltest als auch Schnelltests oder PCR-Tests. Wie bisher müssen die Mitarbeiter*innen diese Angebote jedoch nicht annehmen.

Erhöhung der Kinderkrankentage

Mit den Kinderkrankentagen können Eltern ihren Nachwuchs nicht nur während dessen Krankheit betreuen, sondern auch auf die Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen reagieren, beispielsweise bei Schul- und Kitaschließungen. Mit der neuen Regelung haben Eltern nun 30 Tage pro Kind zur Verfügung, Alleinerziehende sogar 60. Bisher gab es nur einen Anspruch auf 20 bzw. 40 Tage, an denen 90 Prozent des Nettoverdienstes als Kinderkrankengeld ausgezahlt werden.

Schließung von Geschäften

Bei einer entsprechenden Inzidenz muss der Einzelhandel im betroffenen Gebiet wieder schließen. Click&Collect bleibt jedoch weiterhin erlaubt, und bis zum Überschreiten eines Inzidenzwertes von 150 an drei hintereinanderfolgenden Tagen ist unter bestimmten Auflagen auch der Einkauf nach Terminvereinbarung möglich. Zu diesen Auflagen gehört ein aktueller negativer Corona-Test, die Beschränkung auf eine bestimmte Kundenzahl je nach Verkaufsfläche sowie die Angabe der Kontaktdaten zur Nachverfolgung.

Freizeiteinrichtungen inklusive Gastronomie müssen jedoch weiterhin geschlossen bleiben, Essen darf jedoch zum Abholen und Mitnehmen angeboten werden.

Ausgangssperre

Zwischen 22 Uhr und 5 Uhr des Folgetages gilt in den Gebieten mit entsprechenden Inzidenzen eine Ausgangssperre, bis 24 Uhr dürfen Einzelpersonen für Sport oder Spaziergänge aber noch unterwegs sein. Arbeitswege sind von dieser Regelung explizit ausgenommen, es kann jedoch zu lokalen Einschränkungen im ÖPNV kommen.

Mehr psychische Belastungen, weniger Atemwegserkrankungen: neue Krankenstandsanalyse der DAK

Der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Arbeitswelt ist umfassend und betrifft auch das gesamte Krankheitsgeschehen. Der aktuellen DAK-Krankenstandsanalyse 2020» zufolge sind insbesondere die rückenschmerzbedingten Fehlzeiten stark gestiegen: im Vergleich zu 2019 fielen sieben Prozent mehr Beschäftigte damit aus, was auf die mangelnde ergonomische Ausrüstung im Home Office sowie eine insgesamt höhere Anspannung zurückzuführen ist.

Auch bei den Anpassungsstörungen gab es mit acht Prozent einen sehr deutlichen Zuwachs. Dabei handelt es sich um negative Verhaltens- und Gefühlsänderungen als Reaktion auf belastende Ereignisse. Psychische Erkrankungen insgesamt waren 2020 der zweithäufigste Grund für eine Krankschreibung bei Arbeitnehmer*innen.

Allerdings sind auch Rückgänge zu verzeichnen: Atemwegserkrankungen kamen im letzten Jahr deutlich geringer vor als in den Vorjahren, was die Wirksamkeit der Hygienemaßnahmen auch gegen die üblichen Erkältungsviren sowie Grippe zeigt.

Auf zwei weitere wichtige Unterschiede weist die DAK in ihrer Pressemitteilung zur neuen Krankenstandsanalyse ebenfalls hin: einerseits gibt es weniger kurzfristige Krankschreibungen, also Ausfälle bis zu drei Tagen; vermutlich tragen flexiblere Lösungen in den Unternehmen sowie die weiter verbreitete Möglichkeit zum Home Office hier zu einem entspannteren Umgang bei. Längere Krankschreibungen über zwei Wochen haben hingegen deutlich zugenommen, auf durchschnittlich insgesamt 14,5 Tage über alle Krankheitsfälle hinweg.

Andererseits zeigen Branchen mit hohem digitalen Arbeitsanteil wie Datenverarbeitung, Banken und Versicherungen einen deutlich geringeren Krankenstand: 2,5 respektive 3,2 Prozent im Vergleich zu 4,2 Prozent über alle Krankschreibungen. Mit 4,9 Prozent sticht das Gesundheitswesen nachvollziehbar heraus, mit durchschnittlich 17 krankheitsbedingten Fehltagen im Jahr belegten dessen Beschäftigte auch hier den Spitzenplatz. Diese Entwicklung stellt die Arbeitgeber in den Kliniken, Pflegeheimen und Praxen nochmals vor die besondere Herausforderung, Schutz- und Präventionskonzepte für ihre Mitarbeiter*innen zu entwickeln und nachhaltig umzusetzen.

Psychische Gefährdungsbeurteilung – jetzt erst recht!

Obwohl die Psychische Gefährdungsbeurteilung  nach SGB V verpflichtend für Unternehmen ist, wird sie trotzdem noch von zu wenigen tatsächlich durchgeführt, sei es, weil Verantwortliche den Aufwand scheuen – oder sogar die Ergebnisse. Hinzu kommt, dass eine regelmäßig durchgeführte PsyGe auch bei einer Änderung der Arbeitsbedingungen angepasst werden sollte.

Eine solche  Änderung dürfte durch die Corona-Pandemie in den meisten Fällen gegeben sein. Die Reaktion der Unternehmen fällt jedoch unterschiedlich aus: aus Angst, unter diesen Umständen könnten die ansonsten guten Ergebnisse „verfälscht“ werden oder aus Angst auf die entsprechenden Ergebnisse könnte durch die Pandemie nicht zeitnah und adäquat reagiert werden, verschieben einige Betriebe die PsyGe. Andere wiederum nehmen die coronabedingten Änderungen als umso wichtigeren Anlass, um ein aktuelles Stimmungsbild zu erhalten und akute Gefährdungen zu identifizieren.

Als Daumenregel wird empfohlen, die Gefährdungen der Mitarbeiter in den letzten 6 bis 12 Monaten – je nach Umfang der Durchführung – zu untersuchen, um nicht nur kurzfristige, sondern vor allem mittel- und langfristige Handlungsfelder festzustellen und darauf reagieren zu können. Da die Pandemie diese Dauer bereits überschritten hat und uns auf absehbare Zeit noch weiter begleiten wird, sollten Unternehmen diese Aufgabe angehen und diese Gelegenheit zur verstärkten Kontaktaufnahme mit den Mitarbeiter*innen nutzen, um Wertschätzung und Interesse für deren Wohlbefinden auszudrücken. Studien zeigen, dass bereits das Erkundigen nach Feedback zu einer höheren Zufriedenheit der Mitarbeiter führen kann. Besonders wertvoll ist dieser Effekt, wenn anderweitige Kontaktaufnahmen schwer umzusetzen sind, beispielsweise im Home Office.

Dieses ist übrigens kein Hindernis für eine erfolgreiche PsyGe: da die Pandemie in vielen Unternehmen die Digitalisierung  vorangetrieben hat,  ist eine Online-Befragung sogar besser und flexibler durchführbar und kann auf alle unternehmensspezifischen Herausforderungen angepasst werden. Ebenfalls als positiv empfunden werden daher nicht nur quantitative Datenmessungen, sondern für die Mitarbeiter*innen offene Kommentarfunktionen, die die Möglichkeit geben, sich zu öffnen und  Gedanken frei zu formulieren. Diese erfahrungsgemäß sehr gern genutzte Funktion bedeutet für die Unternehmen einen wichtigen Mehrwert in Form von qualitativen Daten, die Hintergründe zu Entscheidungen, Verhaltensweisen oder Motiven aufdecken können.

Wichtig bei der Umsetzung einer PsyG ist  ein systematisches Vorgehen. So müssen nicht nur die Fragebögen an das jeweilige Unternehmen angepasst werden, auch die Ableitung von spezifischen Handlungsempfehlungen oder die Bildung von Projektgruppen gehören dazu. Unbedingt müssen die Ergebnisse am Ende in das gesamte Unternehmen zurückgetragen werden, um die Mitarbeiter*innen einzubeziehen. Nicht erst seit der DSGVO-Reform spielen Datenschutz und Sicherheit bei allen Arten digitaler Dienstleistungen eine grundsätzliche Rolle. Der Rückschluss auf einzelne Mitarbeiter*innen anhand der IP-Adresse o. Ä. ist für den Arbeitgeber daher ausgeschlossen – immerhin sollen alle Antworten möglichst frei und ehrlich erfolgen.

Bei aller gesetzlichen Verpflichtung: Die Gefährdungen von Mitarbeiter*innen zu erkennen und diesen entgegenzuwirken sollte genauso wie das darin enthaltene Potential für die gesamte Unternehmensentwicklung immer an vorderster Stelle sehen.  Eine systematisch geplante Befragung bietet somit nicht nur einen Mehrwert für das BGM, sondern auch für die Personalabteilung, den Betriebsrat, die Unternehmenskommunikation und das Management.

Bei Ihnen steht eine Psychische Gefährdungsbeurteilung an oder Sie haben weitere Fragen? Dann stehen wir Ihnen gerne für einen Gedanken- und Erfahrungsaustausch zur Seite.

Katja Kleebank

Research Analyst

k.kleebank@eupd-research.com

0228-97143-28

Suchtgefahr im Home Office

Home Office ist die effektivste Form der Kontakteinschränkung in der Arbeitswelt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Dennoch gehen damit auch unterschiedlich starke Belastungen für die Arbeitnehmer*innen einher. Eine Untersuchung des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit und des Klinikums Nürnberg» hat aber bereits im Sommer die Folgen aufgezeigt: viele Menschen greifen eher zu Alkohol und anderen Drogen oder verfallen dem Online-Glücksspiel. Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen schützen und unterstützen?

Der anonymen Umfrage zufolge, an der sich 3200 Teilnehmer*innen beteiligt hatten, konsumieren 37 Prozent der Befragten mehr Alkohol als vor der Corona-Krise. Gründe dafür sind Stress, Vereinsamung, Selbstmedikation bei Schlafproblemen oder auch der Rückfall in eine bereits bestehende Sucht. Auch Medikamenten-, Glücksspiel- und Drogensucht treten vermehrt auf».

Unternehmen können insbesondere durch klare Kommunikation, beispielsweise zur wirtschaftlichen Situation oder zur voraussichtlichen Dauer von Kurzarbeitsregelung, sowie flexibler Unterstützung für Eltern mit Kindern im Homeschooling ihre Mitarbeiter*innen unterstützen. Ein wichtiger Punkt ist auch die soziale Kontrolle, die im Home Office oft wegfällt»: gemeinsame Tagesstarts- oder Mittagsmeetings mit den Kolleg*innen und das ernsthafte Interesse von Führungskräften, die sich nach dem Befinden erkundigen, können aus der Isolation heraushelfen. Viele Unternehmen arbeiten auch mit Beratungen zusammen, die bei akuten Problemen helfen oder Hilfe vermitteln können. Wo es ein solches Angebot noch nicht gibt, kann die aktuelle Lage ein guter Anstoß sein, über eine Implementierung nachzudenken.