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Depressionsbarometer 2021: Unternehmen als Ort der Volkskrankheit Depression

Etwa zwanzig Prozent der deutschen Arbeitnehmer*innen leiden oder litten bereits an einer Depression. Die mittlerweile fünfte Ausgabe des Deutschland-Barometers Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe untersucht in einer repräsentativen Befragung Einstellungen und Erfahrungen zur Depression in der Bevölkerung. Darin zeigt sich insbesondere die Rolle von Unternehmen: so werden Belastungen am Arbeitsplatz oder Konflikte im Job als wichtigste Ursache für die Erkrankung angesehen, während die erblichen und biologischen Komponenten wenig bekannt sind.

Im Gegenteil kann der Arbeitsplatz eine wichtige Stütze sein: so spricht zwar die Mehrheit der erkrankten Beschäftigten im Job nicht darüber, diejenigen, die es tun, machen aber zum Großteil positive Erfahrungen. Werden mögliche Anlaufstellen innerhalb der Organisation – beispielsweise Betriebsärzt*innen, Betriebsrat oder Sozialberatung) in Anspruch genommen, sind 74 Prozent damit sehr zufrieden. Im Gegensatz dazu fühlt sich allerdings auch etwa ein Viertel der betroffenen Beschäftigten auf ihre Erkrankung reduziert.

Angesichts der Häufigkeit und Verbreitung der Krankheit bei gleichzeitig vergleichsweise wenig Wissen in der Bevölkerung empfiehlt Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Unternehmen dringend den Aufbau von Basiswissen und Handlungskompetenz zu Depression und auch Suizidprävention: „Depression ist eine häufige und schwere Krankheit. Statistisch gesehen gibt es in nahezu jedem Unternehmen depressiv erkrankte Mitarbeiter. Arbeitgeber können viel dazu beitragen, dass betroffene Beschäftigte rascher in eine professionelle Behandlung kommen. Dadurch können neben großen Leid auch Kosten vermieden werden.“ Zudem weist Hegerl auf die wichtigen Fähigkeiten der Betroffenen hin, die im gesunden Zustand oft Leistungsträger der Unternehmen seien: „Sie reagieren mit großer Dankbarkeit, wenn sie von Seiten des Unternehmens auf verständnisvolle und sachgerechte Reaktionen stoßen.“

Angesichts dessen, dass bereits 15 Prozent der Mitarbeiter*innen einen Suizid- oder Suizidversuch im Kolleg*innenkreis erlebt haben, sind Schulungen von Personalverantwortlichen und Führungskräften ein wichtiger Schritt zu einer offenen Unternehmenskultur, in der Betroffene sich sicher fühlen können. Auch neue Ansätze wie Peer-Beratungen, bei denen Beschäftigte mit Depressionserfahrung niederschwellige Beratung für ihre Kolleg*innen anbieten, fördern ein offenes Verhältnis und damit die Gewissheit, Ansprechpartner*innen auch für solche schwierigen Themen zu haben.

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How’s Work? – Beschäftigtenstudie der Techniker Krankenkasse

Präsentismus, Schlafverhalten und gesunde Ernährung: die Beschäftigtenstudie „How’s Work“ der Techniker Krankenkasse untersucht wichtige Faktoren, die Arbeitnehmer*innen beschäftigen. Eine wichtige Erkenntnis der Untersuchung ist die hohe Belastung; so haben 40 Prozent der Befragten zu wenig Zeit für die Erledigung ihrer Aufgaben und müssen oft oder immer sehr schnell arbeiten. Alarmierend ist auch, dass über die Hälfte der Beschäftigten manchmal, häufig oder sogar sehr häufig krank arbeitet, auch gegen deutlichen ärztlichen Rat. Über ein Drittel arbeitet sogar mit schweren Krankheitssymptomen. Dabei darf auch im Home Office nicht vergessen werden: krank ist krank!

Gerade für sitzende Tätigkeiten ist regelmäßige Bewegung eine wichtige Abwechslung. Allerdings sind es gerade diejenigen, die sich auch privat oder eigenverantwortlich viel bewegen, die sich zusätzliche Angebote am Arbeitsplatz wünschen. Immerhin: Über ein Fünftel der Beschäftigten bewegt sich ausreichend und fast 65 Prozent erzielen zusätzliche Gesundheitseffekte durch die Integration körperlicher Bewegung in ihren Alltag.

Gesundheitseffekte lassen sich auch durch eine ausgewogene Ernährung erzielen. Diese wird, gemessen an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), aber lediglich von 2,3 Prozent der Beschäftigten erreicht. Insgesamt essen Frauen tendenziell mehr Obst und Gemüse als Männer, Beschäftigte aus den neuen Bundesländern mehr als solche aus dem Westen. Eine wichtige Rolle spielen offensichtlich Kantinen: so sehen zwar fast 65 Prozent der Beschäftigten hier Handlungsbedarf für die eigene Organisation, insgesamt wird aber in Großunternehmen und öffentlichen Einrichtungen, die häufiger Betriebsverpflegung anbieten, gesünder gegessen. Eine wichtige Rolle spielt zudem das Trinkverhalten: während jüngere Menschen (bis 29 Jahre) die empfohlene Flüssigkeitsmenge von mindestens eineinhalb Litern pro Tag zu fast 70 Prozent erreichen, sinkt die Trinkmenge mit steigendem Alter stetig. Fast 40 Prozent der Befragten trinkt demnach zu wenig – ein Problem für Körper und Geist: „Schon ein geringer Flüssigkeitsverlust schränkt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit ein und verringert die Konzentration und Reaktionsfähigkeit“, so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

Die Studie, die im Auftrag der TK durch das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung durchgeführt wurde, liefert weiterhin Ergebnisse zum Schlafverhalten von Arbeitnehmer*innen (schlechterer Schlaf mit zunehmendem Alter, aber „Power Naps“ am Nachmittag vor allem durch jüngere Beschäftigte), zur Unterstützung von Kolleg*innen (je besser das Verhältnis innerhalb der Belegschaft desto größer die Zufriedenheit mit der Arbeit insgesamt) und den Einfluss der Führungsqualität auf die Arbeitszufriedenheit.

Gerade jetzt, wo die Arbeitswelt sich anhand der neuen Herausforderungen rasant weiterentwickelt, sind Unternehmen gefragt, ihre Beschäftigten gesund zu halten und langfristig zu motivieren. Arbeit trotz teils schwerer Erkrankung, auch ansteckungsfrei im Home Office, ist genauso kontraproduktiv für die individuelle Gesundheit wie für die Leistungsfähigkeit, das Ruhebedürfnis von Arbeitnehmer*innen aufgrund von Überarbeitung der auch allgemeiner Belastung ernst zu nehmen und Gesundheitsförderung sinnvoll in den Arbeitsalltag zu integrieren. Die Studie der Techniker Krankenkasse liefert für diese Perspektiven die wichtigsten Grundlagen.

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Demographie-Index: Kein Alter für die Rente

Immer wieder wird als Antwort auf Fachkräftemangel und demographischen Wandel über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters diskutiert. Eine Umfrage des Demographischen Netzwerks e.V. (ddn) zeigt nun, wie unrealistisch diese Forderung tatsächlich ist. So wünscht sich eine Mehrheit der Erwerbstätigen ein Ausscheiden aus dem Arbeitsleben bereits vor dem 63. Lebensjahr. Nur jede*r Achte möchte bis zum gesetzlichen Rentenalter mit 67 Jahren erwerbstätig bleiben, und lediglich ein Viertel hält sich überhaupt für körperlich und geistig in der Lage dazu.

Interessant sind die Unterschiede nach Ausbildung und beruflicher Stellung: Während 90% der befragten Arbeiter*innen sich nicht in der Lage fühlt, bis 65 oder länger zu arbeiten, sind es bei Angestellten und Beamten nur etwa 70%. Ein Viertel der Akademiker*innen schätzt hingegen die eigene Fitness stark genug ein, sogar länger als bis 69 Jahre arbeiten zu können. Zudem zeigt sich ein Unterschied anhand des Lebensalters, der gewünschte Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Erwerbsleben nimmt mit steigendem Alter zu: 60% der befragten 18- bis 29-Jährigen wollen bereits mit 61 Jahren oder früher in Rente gehen.

Als Haupthindernisse für ein längeres Erwerbsleben identifiziert die vom Marktforschungsinstitut Civey durchgeführte Studie Stress (40%), geringe zeitliche Flexibilität (34%) sowie geringes Gehalt (33%). Auch mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte wurde von knapp einem Viertel der Befragten genannt. Bei Arbeiter*innen sind körperliche Belastung und Arbeitsstress die wichtigsten Punkte.

Insgesamt geht die Mehrheit der Befragten davon aus, dass auch bei einem regulären Renteneintritt das Geld im Alter nicht ausreichen wird. Auch hier zeigt sich ein Unterschied zwischen Arbeiter*innen (75%), leitenden Angestellten (42%) und Beamt*innen (30%), eine große Schere öffnet sich allerdings dank Gender Pay Gap auch zwischen Frauen und Männern: zwischen ihnen liegen ganze 20 Prozent (62 bzw. 42%).

Das Demographische Netzwerk e.V. sieht in den Ergebnissen der Studie einen ganz klaren Auftrag an Wirtschaft und Politik, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und für flexiblere, bspw. nach Arbeitstätigkeit differenzierte Regelungen des Rentenalters zu sorgen. Chancen biete zudem ein nachhaltiges Demographiemanagement, mit dem Potenziale jeden Lebensalters sinnvoll genutzt und individuell gestaltet werden können.

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The Future of Recruiting

Home Office boomt – nicht zuletzt „dank“ der Corona-Pandemie. Die softgarden-Studie „Future of Recruiting“ zeigt, wie sehr die Ansprüche von Jobsuchenden und die Angebote der Unternehmen in dieser Hinsicht auseinandergehen und welche Prioritäten Personalabteilungen in Zukunft setzen sollten.

Befragt wurden insgesamt 3.561 Bewerber*innen sowie 251 HR-Verantwortliche, Zeitraum der Studie war Mai bis August 2021. Es zeigt sich, dass insbesondere Home Office bzw. remote work entscheidend für die Jobsuche ist. So suchen 70,6% bereits jetzt nach entsprechenden Jobs, drei Viertel gehen davon aus, dass die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten, nach Corona ein Schwerpunkt bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers sein wird. Dennoch beziehen nur 23,4% der aktuellen Jobanzeigen Home Office ein. Zudem glauben lediglich 49% der befragten HR-Verantwortlichen, dass zukünftig mehr remote work von ihren Unternehmen angeboten werden wird.

Auch die Erwartungen an die digitale Fitness von Arbeitgebern sind im Angesicht der Pandemie gewachsen: Fast 85% der Bewerber*innen erwarten eine bessere technische Ausstattung als bisher, mehr als drei Viertel und 76% rechnen bezüglich digitaler Prozesse mit größerer Transparenz. Über 70% erwarten zudem mehr Schnelligkeit.

Insgesamt hat Corona die Prioritäten von Jobsuchenden sichtbar beeinflusst. Softgardens Studie zeigt, dass „New-Work-Klassiker“ wie Sinn, engagierte Führungskräfte und Eigenverantwortung an Zustimmung verloren haben, wenngleich sie weiterhin aufgezählt werden. Wichtigste Aspekte bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sind nun eine offene Kommunikation (51,9%), ein gutes Gesundheitsmanagement (45,8%) sowie Jobsicherheit (45,2%). New Work selbst ist zwar für HR-Verantwortliche mit 75,5% weiterhin sehr relevant bei der Bewerbersuche, allerdings geben 41,4% der Jobsuchenden an, ihnen sei der Begriff unbekannt.

Wie bereits einige andere Studien zeigt auch die softgarden-Untersuchung, dass „business as usual“ nicht mehr zeitgemäß ist und Unternehmen sich bei der Suche nach den besten Fachkräften auf die neuen Entwicklungen einstellen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die strategische Entwicklung entsprechender Faktoren wird in den nächsten Jahren entscheidender denn je.

Die gesamte Studie finden Sie hier»

Studie der IKK classic zur Wirkung von Diskriminierung und Vorurteilen

Vorurteile und Diskriminierungen sind ein großes gesellschaftlichen Problem – und ein medizinisches: Sie können zu psychischer Belastung führen, zu Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln und daher auch zu Ängsten oder Depressionen. Schlafstörungen, Migräne oder Essstörungen sind ebenfalls verbreitete Folgeerscheinungen.

Das rheingold Insitut hat im Auftrag der IKK classic eine Grundlagenstudie verfasst, die die Entstehung und Verbreitung von Vorurteilen und ihre Folgen untersucht und erstmals den direkten Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und den Auswirkungen auf die Gesundheit aufzeigt. Auf dieser Basis will die Krankenkasse ihr langfristiges Engagement für einen wertschätzenden gesellschaftlichen Umgang miteinander stärken. Außerdem sollen Menschen, Medien und Unternehmen aufgeklärt und sensibilisiert werden.

Denn das Problem ist allgegenwärtig: So sind oder waren rund 60 Prozent der Menschen in Deutschland bereits von Diskriminierung oder Vorurteilen betroffen. Dabei weisen die Studienautoren darauf hin, dass Vorurteile selbst ein natürlicher psychischer Prozess sind und uns helfen, unsere komplexe Umwelt in Kategorien zu sortieren und somit schneller reagieren zu können. Diese „Schubladen“ werden jedoch schnell unflexibel und erzeugen generalisierte Bilder von Menschen, die wir bestimmten Gruppen zuordnen und entsprechend behandeln – eine Grundlage für diskriminierendes Verhalten. Während offene Anfeindungen seit den 1980er Jahren seltener geworden sind, nehmen subtilere Formen und Mobbing zu. Hier ist besonders die Veränderung der Kommunikation durch die sozialen Medien zu nennen, die als „enthemmte“ Räume Gelegenheit auch zu anonymen Handlungen bieten. Die Problematik von Vorurteilen und Diskriminierung ist den Befragten der Studie bewusst, wie die folgende Grafik zeigt:

© IKK classic

Die Verbreitung von Vorurteilen wird jedoch deutlich unterschätzt. So werden sie zwar bei der Hälfte aller Menschen vermutet, ein Fünftel der Befragten geht aber davon aus, dass weniger als 50 Prozent Vorurteile haben. Dabei geben durchschnittlich 40 Prozent an, gelegentlich vorurteilsbedingt zu handeln.

© IKK classic

Dabei haben selbst Betroffene häufig Schwierigkeiten, Diskriminierungen als solche zu erkennen. Bei offensichtlichen Handlungen wie Belästigung oder Körperverletzung oder Kontaktabbrüchen ist die Einordnung noch leicht, Benachteiligung bei der Job- oder Wohnungssuche oder sogenannte Mikroaggressionen führen dagegen oft zu großer Unsicherheit in der Wahrnehmung. Gerade letztere werden aber besonders häufig erlebt:

© IKK classic

Unsicherheit, Irritation, Scham und Hilflosigkeit sind oft die ersten Reaktionen auf das Erlebte. Die Fremdbestimmung durch die Reduzierung auf bestimmte Merkmale oder Zugehörigkeiten kann dann zu Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln führen, die in einer Angstspirale enden und die zwischenmenschliche Interaktion langfristig prägen. Schwächere Formen von Diskriminierung führen häufig auch zu Wut und Ungerechtigkeitsempfinden bei den Betroffenen, stärkere rufen eher Gefühle von Demütigung, Ausgrenzung und Entsetzen hervor. Positive Entwicklungen sind selten, auch wenn gerade Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund in der Studie angeben, durch das Erlebte „abgehärtet“ zu sein. Verdrängung und längerfristiges Vermeidungsverhalten in Bezug auf bestimmte Situationen oder Menschen prägen anschließend mehrheitlich den Umgang mit dem Erlebten.

© IKK classic

„Diskriminierung führt zu Rückzug führt zu Isolation führt zu Depression“ – diese Zwischenüberschrift der Studie spiegelt sich in den Ergebnissen wieder. So sind Menschen, die unter Diskriminierung leiden, zweieinhalb mal so oft von Depressionen betroffen wie Nicht-diskriminierte. Angststörungen kommen sogar 2,8-mal so häufig vor, Zusammenbrüche oder Burn-out gar 3,4-mal. Verständlicherweise folgt daraus oft ein grundsätzliches Krankheitsgefühl, die Lebenszufriedenheit und –qualität sinkt.

© IKK classic

Wie kann in dieser Situation neuer Halt, neue Stärke gefunden werden? Die Befragten nennen vor allem Partner, Familie und Freunde, aber auch die eigene Kraft – Selbstbehauptungswille, Durchsetzungskraft oder eigene Erfolge – sind eine wichtige Ressource. Zudem spielen Vorbilder sowohl im realen Leben als auch in den Medien eine Rolle, die auch beim Abbau von Vorurteilen helfen können: Sichtbare Diversität erweitert den Horizont dessen, was als „normal“ und als „fremd“ empfunden wird und regt zu Perspektivwechseln an. Im Sozialleben ist der Kontakt zu Menschen einer sozialen Gruppe, der wir mit Vorurteilen begegnen, der stärkste Hebel im Kampf gegen Vorurteile: Das Verfolgen gemeinsamer Ziele, beispielsweise in gemischten Arbeitsteams und mit entsprechender Unterstützung, stärkt diesen Effekt zusätzlich.

Die Ergebnisse dieser Studie sollen der Startschuss für ein langfristiges Engagement der IKK classic gegen Vorurteile und Diskriminierung sein. Dazu gehören neben den Maßnahmen, die bereits jetzt für Betroffene angeboten werden – wie eine 24 Stunden-Hotline oder die Unterstützung bei der Therapeutensuche – die gesellschaftliche Sensibilisierung und die Entwicklung weiterer Maßnahmen. Denn es sollen nicht nur die Symptome, sondern vor allem die Ursachen bekämpft werden – damit es uns allen gemeinsam besser geht.

Die gesamte Grundlagenstudie des rheingold Instituts im Auftrag der IKK classic finden Sie hier:

www.ikk-classic.de/gesund-machen/vorurteile-machen-krank

Geringer Krankenstand – hohe psychische Belastung: Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse nach einem Jahr Corona-Pandemie

Mehr als ein Jahr hat die Corona-Pandemie Deutschland schon im Griff und beeinflusst maßgeblich das Leben der Bevölkerung. Auch wenn inzwischen wieder viele Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgehoben wurden, zeigt der Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse», dass der Dauerlockdown bei den Menschen Spuren hinterlassen hat.

Für die Ergebnisse des Gesundheitsreports wurden die Arzneimittelverordnungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Zudem wurden die Ergebnisse einer bundesweiten bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstitut Forsa, welche 1.000 Menschen im Mai 2020 und März 2021 telefonisch zu ihrer Belastung durch Corona befragt haben, mit in die Auswertung einbezogen.

Im März dieses Jahres fühlten sich demnach 42 Prozent der Bevölkerung in Deutschland stark oder sogar sehr stark von der Corona-Situation belastet. Ein Jahr zuvor bei der Befragung im Mai 2020 waren es noch 35 Prozent.  Auffällig ist, dass sich vor allem die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überproportional mehr durch die Corona-Pandemie belastet fühlten als die durchschnittliche Bevölkerung. Fehlende persönliche Treffen mit Verwandten oder Freunden und Angst, dass Angehörige oder Freunde an Corona erkranken, wurden als Hauptbelastungsfaktoren empfunden. Bei Berufstätigen wurde zudem auch häufig über vermehrten Stress am Arbeitsplatz berichtet.

Besonders gestresst fühlten sich Eltern mit mindestens einem Kind, die im Home Office arbeiten. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) dieser Gruppe gaben im März an, stark oder sehr stark durch die Pandemie belastet zu sein. Bei der ersten Erhebung im Mai 2020 waren es 45 Prozent. Berufstätige im Home Office ohne Kinder fühlten sich hingegen weniger gestresst. An beiden Befragungszeitpunkten gaben nur 31 Prozent der Beschäftigten an, stark oder sehr stark durch die Corona-Situation belastet zu sein. Von den Berufstätigen, welche in Präsenz arbeiten, gaben knapp die Hälfte (46 Prozent) der Befragten an durch die Pandemie belastet zu sein. Das gilt sowohl für die Beschäftigten mit als auch diejenigen ohne Kinder.

Essentiell ist daher weiterhin das Schaffen einer gesunden Arbeitsumgebung, ob im Büro oder im Home Office. Unternehmen können sich dabei auch von der TK Unterstützung im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements holen. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: „Dabei geht es nicht nur um einen ergonomischen Arbeitsplatz und eine reibungslose IT. Die viel größere Herausforderung ist es, auch auf die Entfernung eine wertschätzende, vertrauensvolle und transparente Arbeitskultur zur verankern. Das sind entscheidende Faktoren für Motivation, Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Die zunehmende Belastung in der Bevölkerung im Verlauf der Corona-Pandemie wurde auch von einer Langzeitstudie des psychologischen Instituts der Technischen Universität Chemnitz, die in Kooperation mit der TK durchgeführt wurde, festgestellt. Die sozialen und beruflichen Herausforderungen haben den Stress der Menschen dauerhaft erhöht; gleichzeitig war es durch die Maßnahmen im Lockdown kaum möglich, die eigenen Ressourcen wieder aufzufüllen, beispielsweise durch Reisen, Sport- und Kulturveranstaltungen oder Treffen im Freundeskreis. Laut Studienleiter Professor Dr. Bertholt Meyer» kann dieses Ungleichgewicht auf Dauer zur Erschöpfung und in schweren Fällen zum Burnout führen. Auch Angebote zu Stressmanagement und individueller Ressourcennutzung sind Bestandteil eines umfassenden und nachhaltigen Gesundheitsmanagements in Unternehmen und helfen bei der Prävention von Erschöpfungszuständen.

AOK-Pflege-Report 2021: Belastung von Pflegekräften durch Corona weiter gestiegen

Kranken- und Altenpflege sind auch unter normalen Umständen herausfordernde Berufe: große Verantwortung, Schichtdienst und hoher Arbeitsdruck verstärken vorhandene Belastungen, sodass krankheitsbedingte Fehlzeiten häufig sind. Der neue Pflege-Report der AOK» zeigt nun, wie diese während der COVID-19-Pandemie zugenommen haben.

Corona führte einerseits zu erhöhtem Pflegeaufwand für schwer gefährdete oder bereits erkrankte Personen, andererseits zu einem hohen Risiko, sich selbst zu infizieren. Krankheits- oder risikobedingte Ausfälle bedeuteten zusätzlich eine weiter erhöhte Arbeitsverdichtung und –belastung. Die sogenannte erste Welle der Pandemie ist daher auch an den Arbeitsunfähigkeitstagen abzulesen: im März 2020 lagen diese für Pflegekräfte durchschnittlich 4,7 Tage höher, im April immer noch etwa 2,1 Tage.

Die AOK nennt neben Berufen in der Kinderbetreuung und –erziehung, die trotz Lockdown-Maßnahmen weiterhin Kontakt zu vielen Menschen hatten, die verschiedenen Bereiche der Pflege als am meisten Betroffene von COVID-19-Diagnosen: für die Altenpflege vermerkt der Report 2.083 Erkrankte pro 100.000 Versicherte, für die Gesundheits- und Krankenpflege 2.016 und für die Fachkrankenpflege 1.905. Der Durchschnitt aller Berufe liegt bei 1.183 Erkrankten pro 100.000 Mitgliedern.

Auch die psychische Belastung der Pflegekräfte ist während der Pandemie weiter angestiegen, allerdings nicht so stark wie in den Vorjahren. Dennoch liegt sie weiterhin weit über dem Durchschnitt, wie sich anhand der Arbeitsunfähigkeitstage zeigt. Durchschnittlich fehlen Pflegekräfte 5,8 Tage pro Jahr aufgrund von psychischen Erkrankungen, für andere Berufe sind es nur 3,0 Tage.

In Bezug auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zeigt sich laut Pflege-Report ein deutlicher Unterschied zwischen größeren und kleineren Häusern: während erstere die entsprechenden Strukturen und Ressourcen vorhalten können und entsprechend aufbauen und weiterentwickeln, habe für kleinere Unternehmen das Tagesgeschäft oft Vorrang. Gerade während der Pandemie seien aber insgesamt viele Angebote zurückgestellt worden, wobei die Beschäftigten besonders BGF-Angebote zur Stressbewältigung oder Resilienz sowie psychosoziale Unterstützung nachfragen. Auch Führungskräfte wünschen sich laut Report mehr Unterstützung, unter anderem zu gesunder Führung, Kommunikation sowie Maßnahmen zur Förderung der Teamarbeit. Die Studie leitet daraus verschiedene Handlungsempfehlungen ab, darunter die vermehrte Form hybrider Formen der psychosozialen Entlastung, die bessere Unterstützung und Vorbereitung von Führungskräften sowie die Beteiligung von Pflegekräften an der Entwicklung digitaler oder hybrider Angebote, um diese passgenau aufzubauen. Angesichts des bereits jetzt bestehenden Fachkräftemangels im Gesundheitsbereich ist es umso wichtiger, Beschäftigte langfristig gesund, motiviert und leistungsfähig zu halten – das Betriebliche Gesundheitsmanagement spielt dabei eine zentrale Rolle.

Das Handwerk ist gesund

Eine aktuelle Studie der IKK classic und der Deutschen Sporthochschule in Köln zeigen, dass Handwerker*innen auch abseits vom Beruf aktiv und gesund leben. Der Ausgleich und gute Ressourcen im Arbeitsleben ermöglichen eine hohe Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden.

Seltenes Sitzen, gesundes Essen und viel Bewegung: Handwerker*innen sind auch abseits der Arbeit aktiv unterwegs und leben gesund. Das zeigt die aktuelle Studie» der IKK classic und der Deutschen Sporthochschule Köln. Insgesamt 2.000 Personen deutschlandweit wurden dabei auf ihre psychische und körperliche Gesundheit untersucht. Die Ergebnisse» haben auch Studienleiter Professor Ingo Froböse überrascht: „Unbestritten ist das Handwerk einer der körperlich anspruchsvollsten Berufszweige – umso mehr hat es mich begeistert, dass dies nicht zu weniger Sport und körperlicher Aktivität in der Freizeit führt. Ganz im Gegenteil: Handwerkerinnen und Handwerker bewegen sich viel. Und sie nutzen Sport und Bewegung als Ausgleich zu ihrem bereits körperlich anstrengenden Alltag.“

So geben über 40% der Befragten an, sich zum Stressabbau sportlich zu betätigen oder an die frische Luft zu gehen, auch Familienzeit oder Hobbies wie Gartenarbeit stehen mit 25 bzw. 23% hoch im Kurs. Passive Erholungsarten wie Fernsehen, Lesen oder Computerspiele sind dagegen nicht so beliebt. Zusätzlich ziehen Handwerkerinnen und Handwerker Kraft aus einer hohen Arbeitszufriedenheit: 92% empfinden ihren Beruf als sinnhaft, 85% sind stolz auf ihren Beruf. Auch die klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit sowie die starke Wertschätzung, die ihnen von Kund*innen entgegengebracht wird, tragen stark dazu bei. Insgesamt sind Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden deutlich höher als im Durchschnitt der deutschen Gesamtbevölkerung, auch mitten in der Corona-Pandemie.

Zusätzlich stellt die Studie ein hohes Gesundheitsbewusstsein der Befragten fest, dem allerdings selten entsprechende Angebote der Betriebe gegenüberstehen: 73% gaben an, dass keine Maßnahmen zur Gesundheitsförderung durchgeführt werden. IKK-Vorstand Kai Swoboda findet die Ergebnisse der Umfrage ermutigend: „Dieses Ergebnis motiviert uns, das Handwerk noch stärker für die Betriebliche Gesundheitsförderung zu sensibilisieren und zu zeigen, wie erfolgreich diese Maßnahmen sein können.“

„Mittelstand im Mittelpunkt“: Studie zeigt aktuelle Herausforderungen

Eine repräsentative Umfrage» der DZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken hat die aktuellen Herausforderungen für den deutschen Mittelstand erhoben. Zwar ist die Pandemie natürlich noch nicht vorbei, die Unternehmen schauen jedoch überwiegend positiv in die Zukunft: so ist die Investitionsneigung mit 77% mittlerweile höher als das Vorkrisenniveau, nachdem sie zwischenzeitlich auf ein Zehn-Jahres-Tief gefallen war.

Außerdem planen 27% der befragten Mittelständler im nächsten halben Jahr Einstellungen. Vorreiter sind die Elektroindustrie mit 44% und die Kunststoffindustrie mit 33%. Der gesamte Mittelstand hatte im letzten Jahr überwiegend Personal abgebaut, 9% der Betriebe planen das auch weiterhin; vor allem die Agrarbranche setzt weiterhin auf Stellenabbau. Dennoch ist hier eine deutlich optimistischere Zukunftsstimmung zu sehen.

Diese zieht allerdings weitere Herausforderungen nach sich, namentlich den Fachkräftemangel: 73% der mittelständischen Unternehmen sorgen sich um die Einstellungsmöglichkeiten qualifizierter Mitarbeiter*innen, insbesondere Baubranche, Chemie-, Kunststoff- und Elektroindustrie. Weitere Problemfelder sind die Bürokratie, deren Anstieg laut Studienautor*innen vor allem auf die aufwändige Beantragung der staatlichen Corona-Hilfen zurückgehen dürfte, sowie steigende Rohstoff-, Material- und Energiekosten. Verantwortlich dafür sind globale Verknüpfungen: steigende Preise, höhere Transportkosten und Engpässe bei Vorprodukten.

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordert einen stärkeren Bürokratieabbau», zuletzt angesichts der Vorstellung der Konjunkturprognose durch das ifo-Institut.

©DZ Bank und BVR

Bitkom-Studie: Wunsch nach Home Office bleibt

Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom» zeigt, dass mehr als die Hälfte der Deutschen sich eine Pflicht zum Home Office für geeignete Tätigkeiten bis zum vollständigen Ende der Pandemie wünscht. 51 Prozent wollen auch darüber hinaus ganz oder teilweise von zuhause aus arbeiten. Die verschärften Regelungen dazu, die im Januar im Zuge des Corona-Lockdowns beschlossen wurden, haben demnach nicht nur zu einer höheren Zahl an Home Office-Arbeitenden geführt – während es Ende 2020 noch 45 Prozent waren, waren es Ende Mai schon 58 Prozent – sondern auch die Akzeptanz bei den Beschäftigten verstärkt.

Die Untersuchung zeigt jedoch auch, dass die Unternehmen sich noch stärker in die Weiterentwicklung flexibler Arbeitsweisen einbringen können. So wird die technische Ausstattung des Home Office von 45 Prozent der Arbeitgeber nicht zur Verfügung gestellt, was zu Beginn der Pandemie für einen reibungslosen Ablauf der Umstellung die unkomplizierteste Lösung war, darüber hinaus aber eine finanzielle und organisatorische Mehrbelastung für Beschäftigte darstellt. Zudem besteht jedes dritte Unternehmen nachdrücklich auf Präsenzarbeit, trotz entsprechender Anordnung und technischer Möglichkeit.

Mit entsprechender organisationaler Einbindung in die Unternehmensabläufe, Unterstützung bei der Einrichtung und bei der Abgrenzung von Arbeit und Freizeit können Home Office und andere Formen von remote work auch über den konkreten Schutz in der Pandemie hinaus zu flexibleren Arbeitsformen und einer besseren Work-Life-Balance beitragen. Nicht nur Arbeitgeber und Beschäftigte müssen dafür vertrauensvoll zusammenarbeiten, auch steuerliche Anreize, wie von Bitkom-Präsident Achim Berg vorgeschlagen, können zu weiterer Akzeptanz und besseren Bedingungen beitragen.